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Rettungsgrabung Archäologische Neuentdeckungen im römischen Gutshof von Münsingen

17. Dezember 2020 – Medienmitteilung

Bei Grabungen rund um den römischen Gutshof von Münsingen sind Reste eines gut erhaltenen Gebäudes zum Vorschein gekommen. Sie gehören zum Ökonomieteil des Gutshofes und werden derzeit dokumentiert, da diese Gebäudeteile für die Entlastungsstrasse Nord weichen müssen.

Seit September 2020 untersucht der Archäologische Dienst des Kantons Bern Reste des römischen Gutshofes von Münsingen. Bereits die erste Grabungsetappe hat ein gut erhaltenes Gebäude an den Tag befördert. Für den Archäologischen Dienst des Kantons Bern ist die Entdeckung keine Überraschung, denn die Präsenz eines Gutshofes im Areal ist seit längerem bekannt. Entsprechend wurden Art und Ausdehnung der archäologischen Reste im Areal Rossboden 2018 und im Frühjahr 2020 mit Sondierungen überprüft und die nun laufende Rettungsgrabung geplant.

Römische Bodenheizung

Das neu entdeckte Gebäude verfügt über eine noch teilweise vorhandene Unterbodenheizung (Hypokaust). Diese Tatsache ist von besonderem Interesse, da das freigelegte Gebäude nicht zum Herrenhaus, sondern zum Ökonomieteil des Gutshofes gehört und beheizte Räume in diesem Bereich selten sind. Beim Ökonomieteil handelt es sich um ein Nebenhaus, der dem Gutshof als wirtschaftliche Grundlage diente. Die neusten Funde zeigen, dass der Ökonomieteil in Münsingen eine lange Bau- und Nutzungsgeschichte aufweist. In unmittelbarer Nähe zu den Mauerfundamenten liefern Pfostengruben Hinweise auf eine ältere Holzbauphase. Zahlreiche Münzen beweisen, dass die Anlage bis in die Spätantike, das heisst bis mindestens ins 4. Jahrhundert, genutzt wurde. Die weiteren Untersuchungen werden zeigen, ob sich aus dieser späten Zeit auch Gebäudereste erhalten haben. Das Fundmaterial umfasst Amphoren, Glas, Keramik und Geschirr aus Speckstein.

Grosszügige Ausdehnung des Gutshof-Areals

Mit der Lage des neu entdeckten Gebäudes lässt sich die Ausdehnung des römischen Gutshofes nun besser fassen. So erstreckt sich die Anlage mit den Wirtschaftsbauten auf mindestens 220 Meter Länge entlang der heutigen Bahnlinie und hangaufwärts gegen Norden über rund 170 Meter. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich der Ökonomiebereich gegen Westen auch jenseits der Bahnlinie erstreckt hatte. Das Herrenhaus des Gutshofes dürfte sich im Bereich der reformierten Kirche befunden haben. Der dazugehörige Badetrakt wurde bereits 1941 ausgegraben. Die Mosaike des Badetrakts sind heute auf dem Areal der Firma USM ausgestellt.

Rettungsgrabung für Entlastungsstrasse

Da im Gebiet der Fundstelle im kommenden Sommer die Bauarbeiten für die Entlastungsstrasse Nord beginnen, werden die Ruinen und Siedlungsspuren in diesem Sektor nach wissenschaftlichen Massstäben dokumentiert. Der archäologische Dienst untersucht nur die durch das Bauvorhaben unmittelbar bedrohten Bereiche, die einen Bruchteil der gesamten Gutshof-Anlage ausmachen. In den peripheren Zonen reichen baubegleitende Untersuchungen aus. Die Rettungsgrabung ist mit der Gemeinde Münsingen, die Bauherrin ist, abgesprochen und verläuft bislang plangemäss.

Mediendokumentation

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