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Ausgabe 7/2018

Glückwunsch-Sharing

Was bin ich? Nein, ich habe nicht vor, mich zum Jahresende in ultimativen Existenzfragen zu verlieren. Schliesslich bietet mir das bernische Kulturleben tagtäglich Hilfestellung zur Selbstreflexion. Meine Eingangsfrage ist völlig harmlos. Sie wäre korrekterweise in Anführungszeichen zu setzen und bezieht sich auf eine der beliebtesten und preisgünstigsten Quizsendungen deutschsprachiger Fernsehgeschichte. Jenen Generationen, welche sich noch nicht zu den Digital Natives zählen, dürfte sie ein Begriff sein. Anhand einer Handbewegung galt es, den Beruf eines Kandidaten zu erraten. Ein einziger Gast ist mir in Erinnerung geblieben: Der professionelle Liebesbriefschreiber. Der struppige Mann hatte diese Textsorte zur Perfektion getrieben und zu seiner Existenzgrundlage gemacht. Erstaunlicherweise war er kein Berner. Als solcher hätte er mit dialektalen Einsprengseln die Polyphonie seiner Schreibe bereichert und die Wirkungsmacht seiner Briefe noch gesteigert. Den Beruf des Liebesbriefschreibers – zumindest im Nebenerwerb – hätte ich mir damals durchaus vorstellen können. Es ist die romantische aber wohl weit weniger einträgliche Variante des heutigen Ghostwritings.

An meine alte Leidenschaft des Briefeschreibens anknüpfend, habe ich dieser Tage mit meinen Mitarbeitenden einen Deal gemacht: Anstatt ihnen direkt mit einer Weihnachtskarte meine Glückwünsche zu übermitteln, wende ich mich dieses Jahr mit der Jahresendpost an Dritte. Die Mitarbeitenden liefern mir Adresse und Motiv für einen persönlichen Weihnachtsgruss, der Wertschätzung und Dank von Seiten des Kantons ausdrücken soll, sozusagen eine amtlich geprüfte Untervariante des Liebesbriefs. Seit meinem Aufruf sprudeln die Antworten mit Vorschlägen. Es gibt offensichtlich viele Bernerinnen und Berner, die dem Kulturleben zugetan sind und sich 2018 um Kulturpflege oder Kulturförderung verdient gemacht haben.

Zweifellos haben auch Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, unsere ganze Wertschätzung und unseren Dank für Ihr Interesse am kulturellen Geschehen und an unserer Arbeit verdient. Sollten Sie trotzdem keinen persönlichen Briefgruss erhalten, dann aus dem einfachen Grund, dass ich mir analog zum Tennisarm oder Golferellenbogen eine Briefhand (sog. Morbus Glarean) eingefangen habe.    

Ich wünsche Ihnen herzlich ein schönes Jahresende und im kulturellen Umfeld viel Inspiration, Kreativität, Durchhaltevermögen und Entdeckerlust.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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