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Ausgabe 5/2018

Mit Bikini ins Museum

Ein gut 5 m langes Altholzstück ist nach Schneeschmelze und Sommergewittern im Kanton Bern keine Seltenheit. Zur Kenntnis nimmt man es höchstens, wenn einem ein solches Teil den Wanderweg versperrt oder beim Aarebad unverhofft um die Ohren schwimmt. Ganz anders bei jenem Trämel, welcher 2011 im Strandbad am Moossee zum Vorschein kam. Schnell wurde den beteiligten Archäologinnen und Archäologen bewusst, dass sie einen sensationellen Fund gemacht hatten, der in Fachkreisen rasch weltberühmt wurde. Was zum Vorschein kam, ist ein 6500 Jahre alter Einbaum aus der Jungsteinzeit, den die "Pfahlbauer am Moossee" zurückgelassen hatten und der den Kanton Bern zum Besitzer des ältesten Fahrzeugs der Schweiz macht.

Doch soll es nicht bei dieser einen Einzigartigkeit bleiben: Der Weg dieses Artefakts führt nicht wie üblich in ein Kulturgüterdepot oder in ein Museum, sondern zurück an den See. Keine Bedenken! Der Einbaum wird nicht ein zweites Mal vom Stapel gehen, um seine Seetüchtigkeit zu testen. Nach sorgfältigster Erforschung und Konservierung wird er in Zukunft direkt am Fundort ausgestellt. Dass diese innovative Lösung zustande gekommen ist, ist dem Engagement der Gemeinde Moosseedorf, privaten Gönnern, dem Lotteriefonds und den Fachleuten des Archäologischen Dienstes zu verdanken. Alle boten Hand und arbeiteten mit Begeisterung mit, um dieses wertvolle Kulturgut an den Ort zurückzubringen, wo es während Jahrtausenden im Feuchtboden schlummerte. Treibende Kraft war der Gedanke, dass das Museumsobjekt zu den Menschen kommt und nicht umgekehrt.

Das passt hervorragend sowohl zur Kulturpflegestrategie als auch zur neuen Kulturstrategie des Kantons Bern. Beide haben die Teilhabe einer breiten Bevölkerung am kulturellen Erbe und Geschehen zum Ziel und rücken Stadt und Land ins Blickfeld. Das Beispiel zeigt, dass diese Idee erst dann richtig greift, wenn die Initiative vor Ort entsteht. In Moosseedorf hatten Behördenmitglieder nicht nur einen visionären Plan – sie wollten den Einbaum in ihr Dorf zurückbringen –, sondern auch die Bereitschaft, für die Kultur tief in die Tasche zu greifen. Sie erkannten die identitätsstiftende Wirkung der Kultur, die gerade in einem von Veränderungen geprägten Dorf von grosser Bedeutung ist.

Wenn Badegäste und Spielplatzbesucherinnen und -besucher am Moossee in Zukunft mit ihrem Kopf in die als schnittiges Boot designte, schwebende Vitrine eintauchen, dann begeben sie sich auf eine überraschende Zeitreise und tanken geistige Frischluft. Am originalen Schauplatz erreicht uns die Botschaft unmittelbar, dass uns der Einblick in die Geschichte die Orientierung in Gegenwart und Zukunft erleichtern kann.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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