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Ausgabe 4/2021

Seitenwechsel

Wieder einmal mit Musikerinnen ein Programm aushecken. Wieder einmal Flyer in der Stadt verteilen und den Nachbarn in den Briefkasten stecken. Wieder einmal den Programmtext im allerletzten Moment abliefern. Wieder einmal an der Kasse sitzen. Wieder einmal nach dem Konzert auf die gemeinsame Leistung anstossen. Nicht aus Sicht des Kulturamts, nicht aus Sicht des Publikums, sondern als direkt Beteiligter. Und: Zum ersten Mal ein Schutzkonzept schreiben. Zum ersten Mal die Gäste um Abstand bitten. Zum ersten Mal, statt ein Maximum an Stühlen zu stellen, nur die erlaubte Anzahl im Saal zu verstreuen. Nicht als Vollzugsbeamter der Verordnung zum Covid-19-Gesetz Kultur, sondern als Betroffener dieser Massnahmen.

Gegenwärtig bin ich mitten in die Praxis des kulturellen Lebens hineingeraten, wenn auch nur an Abenden und Wochenenden. Der Morillon-Park in Wabern erwacht nach einem Handwechsel diesen Sommer aus seinem Dornröschenschlaf. Seine neuen Besitzer möchten in Zukunft Villa und Park auch kulturellen Zwecken zur Verfügung stellen. Mich reizte die Gelegenheit, wieder einmal selber mitten drin in der Arbeit zu sein, welche von den hunderten Veranstalterinnen und Veranstaltern im Kanton Bern tagtäglich geleistet wird, und gleichzeitig die Herausforderungen kennenzulernen, welche die Öffnungsschritte nun mit sich bringen. So beteilige ich mich an der kurzen Experimentierphase, die es ermöglicht, Erfahrungen für eine spätere kulturelle Nutzung des Morillon zu sammeln. Im Spätsommer übernimmt dann die Denkmalpflege das Zepter, wenn es um die sorgfältige Renovation und Erhaltung des bedeutenden baukulturellen Erbes geht.

Was ich nun erlebe, ist der nahe Kontakt mit Kulturschaffenden. Ich höre, was war, was jetzt ist und was werden könnte. Ich sehe Chancen und Grenzen der Kooperation mit anderen Kulturinstitutionen, mit Gastronomen und Gewerbetreibenden. Ich begegne einem offenen Publikum, das endlich wieder Livekultur erlebt. Ich übe mich in agiler Planung, die aufgrund der sich ändernden sanitarischen Spielregeln laufend angepasst werden muss, lenke bange Blicke auf die Wetterprognose und das davon abhängige Budget oder kämpfe mit knappen Fristen und dem ständigen Zeitdruck des Ehrenamtlichen.

Den gelegentlichen Seitenwechsel habe ich zu einem Prinzip meines beruflichen Lebens gemacht. Er bietet mir gleichzeitig Horizonterweiterung und stärkt die Bodenhaftung. Er ist Motivationsquelle für die Alltagsarbeit. Und er lässt durch Anschauung und Tat die Hochachtung wachsen vor der immensen Leistung all jener vielen Menschen, welche das kulturelle Leben unseres Kantons ermöglichen und seine Vielfalt stärken.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur

Morillon Gut, Juni 2021, Hans Ulrich Glarner

Bild vergrössern Morillon Gut, Juni 2021, Hans Ulrich Glarner


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