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Ausgabe 4/2018

Unbezahlbar 

Zu den schönsten und spannendsten Aufgaben einer Führungsfunktion gehören für mich das Studium von Bewerbungsdossiers und das Anstellungsgespräch. Hier bietet sich das Privileg, interessante Menschen und ihren Werdegang kennenzulernen. Längst bin ich mir der Bedeutung von Personalentscheiden bewusst. Kaum etwas anderes wirkt sich ähnlich prägend auf die erfolgreiche Aufgabenerfüllung aus. Es lohnt sich deshalb, viel Zeit und Kraft in diesen Prozess zu stecken. 

Wenn jetzt Land auf, Land ab an Jahresversammlungen von Kulturvereinigungen Neuwahlen anstehen, lohnt sich der gleiche Aufwand. Eine Verlegenheitslösung bei der Besetzung eines freien Sitzes kann die Wirkungskraft eines Vorstands deutlich schwächen, eine suboptimale Wahl des Präsidiums erst recht. Bei der Besetzung von Ehrenämtern neigt man gelegentlich dazu, etwas weniger genau hinzuschauen oder aus Gefälligkeit zu handeln. Doch gerade, wenn es um unbezahltes Engagement geht, ist grösste Sorgfalt am Platz. Schliesslich ist die Freiwilligkeit in der Kulturarbeit ein äusserst wertvolles Gut. Wer sich freiwillig engagiert, mag sich nicht in ein enges Korsett stecken lassen, will seine Zeit aber auch nicht mit Schlendrian vergeuden. Die Balance von Pflichterfüllung und Spass muss stimmen. Wer unentgeltlich arbeitet und Expertise einbringt, will sehen, was das Engagement bewirkt, will Sinn im Tun erkennen und Sinn stiften. Vor allem aber wollen Freiwillige mit Freude bei der Sache sein. Das bedingt hervorragendes "Personal" in Leitungsgremien. Unvergessen ist mir jener engagierte Stiftungspräsident, der unsere Arbeit unter das Motto "niente senza gioia" stellte. Um mangelndes Engagement der Freiwilligen und den damit einhergehenden Erfolg der Stiftung brauchte sich da niemand zu sorgen. Besonders schön kommt dieses Engagement in einer neuen Publikation des Robert Walser-Zentrums zur Darstellung.

Das beste Ergebnis eines Anstellungsgesprächs ist, wenn man sich nicht für jemanden entscheidet, sondern wenn man sich für einander entscheidet. Das dürfte in noch höherem Masse bei ehrenamtlichen Funktionen gelten. Eine solchermassen ausgeübte Präsidentschaft und Vorstandsarbeit ist nicht nur unbezahlt, sondern unbezahlbar. 

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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