Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Die Jagdburg – die Erforschung einer späten Burganlage

Die Burgruine über dem Stockental ist seit langem in einem schlechten Zustand. Dank intensiven Bemühungen von Stiftung, Verein und dem Archäologischem Dienst des Kantons Bern konnte im Frühjahr 2020 die Sanierung begonnen werden. Die Stiftung ist aber weiterhin auf Geldsuche zur Beendigung des Vorhabens in diesem Jahr.

Die Ruine der Jagdburg ist ein äusserst interessantes Objekt. Schon ihre Lage ist aussergewöhnlich: Sie steht auf einem schmalen Geländesporn am Nordrand des Stockentals, aber nicht auf dem höchsten Punkt, von dem aus der ganze Thunersee überblickbar wäre, sondern dem Stockental zugewandt und über diesem thronend. Ungewöhnlich ist auch die Entstehungsgeschichte der Burg. Es handelt sich um eine erst um 1300 neu errichtete Burg ohne Vorgänger. Grundlage war die widerrechtliche Entfremdung des Stockentals aus dem Besitz des Chorherrenstifts Amsoldingen – durch deren Vorsteher höchstpersönlich, den Propst Heinrich von Wädenswil. Der Grund dafür? Der Geistliche schuf damit ein Herrschaftsgebiet für seinen, aus einer illegitimen Beziehung stammenden, Sohn Berchtold.

Bemerkenswert ist auch die Anlage selbst: Der Wohnturm weist nicht nur mehrere Schlitzfenster im Erdgeschoss auf, sondern auch einen ebenerdigen Eingang, und die Mauern sind nur 1,6 m stark. Ausserdem bestand er ursprünglich nicht vollständig aus Stein: Zwei gemauerten Geschosse bildeten einen Sockel, auf denen ein Obergeschoss aus Holz ruhte. Das erste Obergeschoss enthielt einen Saal mit Sitzbanknischenfenstern. Im Geschoss darüber lagen wohl mehrere heizbare Wohnräume. Offenbar erwies sich der Turm bald als zu klein und auf seiner Westseite wurde ein wohl zweigeschossiges Gebäude angefügt. Nach einem Grossbrand zu unbekannter Zeit wurde die Burg schliesslich um zwei gemauerte Geschosse aufgestockt.

Ansicht der Nord- und Ostseite der Burgruine; im Hintergrund das Stockhorn. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Bild vergrössern Ansicht der Nord- und Ostseite der Burgruine; im Hintergrund das Stockhorn. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Die Sanierung von ruinösen Mauerkronen bedeutet auch den Abbau von nicht mehr im Mörtelverband stehenden Steinen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Leta Büchi

Bild vergrössern Die Sanierung von ruinösen Mauerkronen bedeutet auch den Abbau von nicht mehr im Mörtelverband stehenden Steinen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Leta Büchi

Das am besten erhaltene Sitzbanknischenfenster in der Nordwand wurde entsprechend der Originalbefunde rekonstruiert. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Leta Büchi

Bild vergrössern Das am besten erhaltene Sitzbanknischenfenster in der Nordwand wurde entsprechend der Originalbefunde rekonstruiert. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Leta Büchi


Weitere Informationen

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

https://www.erz.be.ch/erz/de/index/direktion/organisation/amt_fuer_kultur/newsletter_kultur_abonnieren/ausgabe_3_2021/jagdburg.html