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Von der mittelalterlichen Stadterweiterung zum Alterszentrum

Das Bälliz in Thun ist heute ein lebendiges Einkaufsquartier am Rande der Altstadt. Im Zuge der Restaurierung des Hotels und Restaurants «Falken» führte der Archäologische Dienst des Kantons Bern dieses Frühjahr eine archäologische Untersuchung durch.

Das Bälliz ist eine mittelalterliche Stadterweiterung Thuns um 1300, damals angelegt am Südufer der Aare, der heutigen Inneren Aare. Wie damals üblich, wurde der neue Stadtteil mit einer Befestigungsmauer umfasst, an die ein Graben anschloss, die heutige Äussere Aare. Die Pest und die spätmittelalterliche Wirtschaftskrise beendeten um 1350 das Wachstum Thuns.

Nach 1820 endete der städtebauliche Stillstand und mit der Eröffnung der Eidgenössischen Militärschule und der Ankunft der ersten Touristen setzte die Entwicklung des modernen Thun ein. So entstand 1835 als einer der frühen Tourismusbauten der Gasthof «Falken» mit Restaurant und 38 Hotelzimmern. Dieser Bau wurde um 1906 im Jugendstil umgebaut und erhielt sein noch heute prägendes Aussehen mit den grossen geschwungenen Quergiebeln auf dem Dach. Den heutigen Thunerinnen und Thunern ist es als Restaurant und Altersheim bekannt.

Im Zuge einer Gesamtrestaurierung kam es 2019 zu einer kurzen archäologischen Untersuchung, denn es waren Baureste zu vermuten, die bis ins Mittelalter zurückreichen könnten. Tatsächlich zeigt es sich, dass die aareseitige Fassade noch heute auf den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer stehen. Ein kurzes Stück davon ist in einem abgetieften Raum des ehemaligen Gasthofes sogar noch mehrere Meter hoch erhalten. Es wird nach dem Umbau sichtbar bleiben.

Da die Ausgrabungen nur soweit in die Tiefe gingen wie nötig – das Gebäude besitzt nach wie vor keinen richtigen Keller – fanden sich im Boden nur Reste aus der frühen Neuzeit: Ein Töpferofen des 16./17. Jahrhunderts und die Fundamente der um 1800 erwähnten Vorgängergebäude. Zu Letzteren gehören ein an die Stadtmauer angebautes Wohnhaus, eine Bierbrauerei sowie eine Scheune. Die Bauspuren aus dem Mittelalter liegen tiefer. Sie bleiben geschützt unter einem neuen Betonboden für kommende Generationen erhalten.

Die aareseitige Fassade des «Falken» 2009. © Denkmalpflege des Kantons Bern, Andrea Zellweger

Bild vergrössern Die aareseitige Fassade des «Falken» 2009. © Denkmalpflege des Kantons Bern, Andrea Zellweger

Die mittelalterliche Stadtmauer bildet bis heute das Fundament für die aareseitige Fassade des «Falken». © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marco Amstutz

Bild vergrössern Die mittelalterliche Stadtmauer bildet bis heute das Fundament für die aareseitige Fassade des «Falken». © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marco Amstutz

Der Rest eines an die Stadtmauer angebauten Töpferofens aus dem 16./17. Jahrhundert belegt frühneuzeitliche Gewerbeaktivitäten auf dem Areal. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marco Amstutz

Bild vergrössern Der Rest eines an die Stadtmauer angebauten Töpferofens aus dem 16./17. Jahrhundert belegt frühneuzeitliche Gewerbeaktivitäten auf dem Areal. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Marco Amstutz


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