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Ausgrabung einer fast 6000-jährigen Siedlung mitten in Biel

Im Vorfeld des Neubaus «Campus Biel/Bienne» der Berner Fachhochschule haben die Mitarbeitenden des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern 2018/19 grosse Teile eines knapp 6000-jährigen jungsteinzeitlichen Dorfes ausgegraben. Das geborgene Bauholz ermöglicht es, den bisher ältesten Siedlungsplan am Bielersee zu rekonstruieren.

Ein grosser Bagger trägt das Sediment Schicht für Schicht ab, bis rund 5 m unter dem heutigen Niveau erste Pfahlreste zum Vorschein kommen. Die senkrecht im Boden steckenden Hölzer werden markiert, von Hand weiter freigelegt und mit dem Tachymeter dreidimensional eingemessen. Dabei zeigt sich schnell, dass die Pfähle in regelmässigen Reihen angeordnet sind und langrechteckige Hausrundrisse bilden. Die Häuser stehen dicht nebeneinander und werden von einer mehrreihigen Palisade umgeben. Knapp 2000 m2 dieser Siedlung konnte der Archäologische Dienst im letzten Jahr untersuchen.

Von den Häusern sind vor allem die First- und Wandpfähle erhalten geblieben. Ebenso ein Steigbaum – eine Art jungsteinzeitliche Leiter –, mit dem eine obere Etage im Haus erreicht werden konnte. Erste Hölzer konnten dendrochronologisch in die Jahre um 3840 v. Chr. datiert werden. Auffallend ist der hohe Anteil an Weisstannen im Bauholz dieser frühen Siedlung am Bielersee. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass für den Bau der Häuser und Palisaden verschiedene und unterschiedlich alte Bäume gefällt wurden.

Durch Schwankungen des Seespiegels nach Aufgabe der Siedlung erodierte der ursprüngliche Boden und die Fundschicht wurde verlagert. Dennoch blieb das geborgene Fundmaterial viel besser erhalten als erwartet: Aus den Keramikscherben können zahlreiche Gefässe zusammengesetzt werden und Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein und Felsgestein zeugen von alltäglichen Arbeiten im Dorf. Einzelne Steinbeilklingen und Keramiktöpfe weisen auch auf Kontakte in andere Regionen, wie die Vogesen oder den Jura. Die kommende Auswertung der ausgegrabenen Siedlungsspuren verspricht spannende Einblicke in den Alltag vor fast 6000 Jahren.

Aktuelles zum Bauprojekt finden Sie auch unter: https://www.campus-biel-bienne.ch

In der gut 5 m tiefen Baugrube werden liegende Pfähle der Häuser freigelegt und dokumentiert. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Regine Stapfer

Bild vergrössern In der gut 5 m tiefen Baugrube werden liegende Pfähle der Häuser freigelegt und dokumentiert. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Regine Stapfer

Mit einem in regelmässigen Abständen gekerbten Steigbaum gelangten die Menschen in der Jung-steinzeit in den oberen Teil ihrer Häuser. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Blaise Othen-in-Girard

Bild vergrössern Mit einem in regelmässigen Abständen gekerbten Steigbaum gelangten die Menschen in der Jung-steinzeit in den oberen Teil ihrer Häuser. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Blaise Othen-in-Girard

Keramikgefässe, Steinwerkzeuge und Speiseabfälle wie Tierknochen geben Hinweise auf das All-tagsleben in der Jungsteinzeit. Erhalten blieb vor allem dauerhaftes Material. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

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