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Ausgabe 3/2018

Kulturtourismus als Chance 

"Die Leuchttürme stehen vor dem Burnout." Dieser kürzlich an der Tagung zum Thema Kulturtourismus des Forums Kultur und Ökonomie gefallene Satz trifft glücklicherweise nicht auf die bernischen Verhältnisse zu. Unsere Kulturinstitutionen mit nationaler und internationaler Ausstrahlung können in der Regel den Publikumsandrang spielend bewältigen. Und wenn sich lange Schlangen bilden wie bei der "Bestandesaufnahme Gurlitt" vor dem Kunstmuseum, an einem schönen Sonntag auf dem Ballenberg oder bei den diversen Museumsnächten im Kanton, dann sind die Veranstalter entsprechend vorbereitet und gut organisiert. Der Kollaps droht jedoch dort, wo das Schlagwort "Overtourism" bereits Realität geworden ist. Waren das idyllische Zustände, als man in den Uffizien in Florenz noch allein – streng beobachtet von einer einsamen Aufsicht - die "Geburt der Venus" betrachten konnte oder sich in der Zwischensaison in Venedig fast als Einheimischer wähnte! Heute muss man sich in Florenz den Platz vor den Meisterwerken erkämpfen, und über die Lagunenstadt ergiessen sich nicht endende Touristenströme.

Im Kanton Bern betrachten wir den Kulturtourismus als Chance, unsere kulturellen Schätze nicht nur der ansässigen Bevölkerung, sondern einem Publikum über Gemeinde-, Kantons- und Landesgrenzen hinweg zugänglich zu machen. All jenen, die in erster Linie wegen der schönen Natur anreisen, können wir auch Kultur bieten. Deshalb haben wir die Förderung des Kulturtourismus in die neue Kulturstrategie aufgenommen. Wir ziehen damit am gleichen Strick wie "Bern Welcome", der neue Zusammenschluss der Tourismusanbieter in der Hauptstadt. Höchst bemerkenswert ist, dass sich diese Organisation nicht dem ungebremsten quantitativen Wachstum verschreibt, sondern sich die Steigerung der Qualität und der Dauer des Aufenthalts pro Gast zum Ziel setzt. "Overtourism" im UNESCO-Kulturerbe wird somit an den Wurzeln bekämpft. Gesucht wird stattdessen Vernetzung und Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen und Veranstaltern. Das Tourismusangebot soll mit den Ansprüchen der Wohnbevölkerung verträglich sein.

Gehören Sie zu den Städtereisenden, die nicht nur die Blockbusterschau sehen, sondern auch die Pop-up-Ausstellung über ein Phänomen der Stadtgeschichte oder das einzigartige Barock-Ensemble an besonderem Ort erleben möchten? Oder die sich – wie wir – in Interlaken von einem denkmalgeschützten Andenkenladen inspirieren lassen? Nach Hause zurückzukehren und das Gefühl zu haben, etwas über die DNA einer Stadt erfahren zu haben, werte ich persönlich als maximales Reiseerlebnis. Und was kann das Unverwechselbare, das Authentische, das Erinnerungswürdige besser vermitteln als das kulturelle Leben und die Kulturdenkmäler eines Ortes?

Touristiker und Kulturschaffende sind deshalb aufgefordert, sich gegenseitig besser kennen zu lernen, Verständnis für die unterschiedlichen Positionen zu entwickeln und gemeinsame Ziele zu formulieren. Wenn Qualität statt Quantität im Vordergrund steht, kann es am Schluss nur Gewinner geben. In diesem Sinne haben wir verwaltungsintern einen Prozess zur Zusammenarbeit mit der Standortförderung gestartet und bereits fruchtbare Gespräche aufgenommen.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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