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Ausgrabung im Winter in Worb, Richigen

Im November 2019 führte die archäologische Begleitung einer regulären Baustelle (Errichtung eines Kuhstalls) im Rohrmoss bei Richigen zur Entdeckung von Spuren aus der Mittelbronzezeit. Aufgrund des Ausmasses sowie des guten Erhaltungszustandes leitete der Archäologische Dienst des Kantons Bern (ADB) unverzüglich eine Notgrabung ein. Somit verbrachte ein Grabungsteam den Winter bis Ende März 2020 «in der Kälte».

Die Fundstelle befindet sich auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche am Rand eines heute ausgetrockneten Sumpfgebietes (ehemaliger Glazialsee), das der Flur ihren Namen gab. Über 200 archäologische Strukturen wurden ausgegraben und dokumentiert, wobei die Methoden den wissenschaftlichen Fragestellungen und der begrenzten Zeit angepasst wurden. Pfostenlöcher – eigentliche Gruben, in welche die Elemente für den Gebäuderohbau gesetzt wurden – ermöglichen zum momentanen Zeitpunkt die Rekonstruktion zweier Hausgrundrisse. Unter den Gruben verschiedenster Funktionen (Feuerstelle, Lagerung, Rohmaterialgewinnung) stechen einige durch Reste einer Auskleidung (festgedrückte Erde und Holzbretter) sowie durch ein umfangreiches und vielseitiges Fundmaterial (Keramikscherben, Steinwerkzeuge, verbrannte Knochensplitter, gebrannter Lehm und Holzkohlen) heraus.

Die Ausgrabungen erstreckten sich über mehr als 1600 m2. Wie ein 50 m langer Graben neben der Hauptuntersuchungsfläche vermuten lässt, könnte der Fundplatz eine Ausdehnung über einer Hektare (oder weit mehr) besitzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich an dieser Stelle ein einziges Dorf befand, sondern viel eher, dass im Laufe der Zeit verschiedene Häusergruppen aufeinander folgten.

Nicht nur die ausgezeichnete Erhaltung der archäologischen Reste, sondern auch das vermutete Ausmass und die Lage abseits des Aaaretals (es handelt sich um die erste bekannte prähistorische Siedlung in dieser Region) zeichnen die Fundstelle aus. Die dank Keramikscherben und C14-Analysen vorläufig in die mittlere und späte Bronzezeit (1500–1200 v. Chr.) datierten Anlagen werfen ein neues Licht auf die Erforschung einer Epoche, die in unserer Region noch wenig bekannt ist.

Das Interesse an der Archäologie ist im Kanton Bern nach wie vor gross. So hat der Tag der offenen Grabung im Februar gegen 650 Besucherinnen und Besucher aus dem Dorf Richigen angelockt, die zu Fuss oder mit dem Velo angereist sind.

Die Fundstelle während der Ausgrabungen, geschützt vor Regen und Schnee. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Breu

Bild vergrössern Die Fundstelle während der Ausgrabungen, geschützt vor Regen und Schnee. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Breu

Das Profil einer Grube während der Ausgrabung. Um die Funktion der Struktur herauszufinden, wurden Sedimentproben entnommen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Breu

Bild vergrössern Das Profil einer Grube während der Ausgrabung. Um die Funktion der Struktur herauszufinden, wurden Sedimentproben entnommen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Breu


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