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Ausgabe 1/2020

Adieu «Erz»

Nachruf auf einen Kosenamen. Das taugt nicht als Titel für eine Kolumne zum Jahresanfang. Auch wenn «Erz» – zumindest im nostalgischen Rückblick – das Zeug für einen Kosenamen gehabt hätte. Für eine Direktion, die sich auch mit dem immateriellen Kulturerbe befasst, ist der Wechsel einer Bezeichnung, die mit Unterbrüchen insgesamt 144 Jahre Gültigkeit hatte, keine Bagatelle. Schliesslich prägte die Erziehungsdirektion das Schulwesen von mindestens fünf Generationen und während Jahrzehnten Kulturpolitik und Kulturpflege im Kanton Bern. Jetzt ist Schluss mit Erziehung! "Bildungs- und Kulturdirektion" (BKD) prangt ab sofort auf Briefschaften, Publikationen, Preisurkunden, an den Fassaden unserer Standorte.

Über Verblichene soll man bekanntlich nichts Schlechtes sagen. Doch machen wir uns nichts vor: Es gab auch prominente Kritiker der einstigen Erz. "Wir Pastoren sind zuweilen glückliche Leute, können wochenlang leben wie wir wollen, zuweilen aber wieder hartbedrängte Seelen, gegen die der Teufel hetzt, was er auftreiben kann, sittenrichterliche Dirnen, eidbegehrende Lumpenhunde, Erziehungsdepartementer, kurz Sappermenter aller Art", schrieb Albert Bitzius am 4. April 1844 an den Basler Kirchenhistoriker Karl Rudolf Hagenbach.

Der obrigkeitliche Gestus, den wohl Gotthelf bisweilen in Rage versetzte, ist nicht erst mit dem Namenswechsel Geschichte. Der moderne Staat steht im Dienst der Bürger und nicht umgekehrt. Für mich ist es deshalb bedeutungsvoll, wenn sich der Name dem Inhalt anpasst. Dass ab neuem Jahr die Kultur genau wie die Bildung, die Sicherheit oder die Gesundheit im Namen einer Direktion steht, widerspiegelt das politische Gewicht, das deren Förderung und Pflege zukommt. Bern ist ein Kulturstaat, welcher die Entfaltung des Menschen als Individuum und in der Gesellschaft als Ziel hat. Der Schutz, die Förderung und die Freiheit von Kunst und Kultur sind in unserer Verfassung verankert. Dass dies unser neuer Direktionsname widerspiegelt, darf uns stolz machen. So lege ich denn die gute alte Erz ins Depot der ausgedienten Begriffe, ganz ohne Sentimentalität. Sapperment!

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern


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