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500-jährige Überraschung hinter verschindelter Fassade

Anlässlich eines Bauprojektes haben der Archäologische Dienst und die Denkmalpflege des Kantons Bern ein Wohnhaus an der Untergasse 9 in Oberried bauarchäologisch untersucht. Das bis heute genutzte Gebäude wurde kurz nach 1479 errichtet. Dank der engen Zusammenarbeit von kantonalen Fachstellen und privater Eigentümerin kann die wertvolle Bausubstanz in den geplanten Umbau integriert werden.

Das ehemalige Bauernhaus an der Untergasse 9 ist von aussen betrachtet kein offensichtliches Baudenkmal. Zu gross scheinen auf den ersten Blick die baulichen Veränderungen und Anbauten. Das Haus wäre vermutlich bei der anstehenden Bauinventarreduktion aus der Liste der schützenswerten Gebäude aussortiert worden. Im Innern zeigte sich aber bereits beim ersten Augenschein eine russgeschwärzte, intakte Bausubstanz, welche auf ein hohes Alter schliessen liess.

Die anschliessende bauarchäologische Untersuchung erbrachte spannende Ergebnisse, wobei die dendrochronologische Analyse die grösste Überraschung lieferte: Die Altersbestimmung der Bauhölzer zeigt, dass das Blockhaus kurz nach 1479 errichtet wurde. Ein alter Kellerausgang, der heute unterirdisch liegt, belegt die massiven Terrainveränderungen im Ort. Das Haus verfügte einst über eine bis zum Dach offene Rauchküche, wobei die «Brandsicherheit» für die offene Feuerstelle durch eine Eckmauer gewährleistet wurde. Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Holzhaus an die Untergasse 9 gezügelt wurde, da sich auf den Blockhölzern «Nummerierungszeichen» fanden. Solche ins bereits gebräunte Holz eingeritzte Zeichen halfen, ein Gebäude Holz um Holz am alten Standort abzubauen und am neuen identisch aufzurichten.

Die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Denkmalpflege und Archäologie erbrachte neue Erkenntnisse zur Gebäude- und Lokalgeschichte. Auf dieser Grundlage wurde zusammen mit der Eigentümerin und dem Architekten ein gemeinsames Umbauprojekt entwickelt, welches der wertvollen historischen Bausubstanz Rechnung trägt.

Die heutigen Fassadenschindeln reichen ins 19. Jahrhundert zurück, ebenfalls sind die Fenster in jüngster Zeit deutlich vergrössert worden. Dahinter verbirgt sich ein Blockhaus aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. © Denkmalpflege des Kantons Bern

Bild vergrössern Die heutigen Fassadenschindeln reichen ins 19. Jahrhundert zurück, ebenfalls sind die Fenster in jüngster Zeit deutlich vergrössert worden. Dahinter verbirgt sich ein Blockhaus aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. © Denkmalpflege des Kantons Bern


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