Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Eine bronzezeitliche Höhensiedlung unter der Zähringerburg

Seit Juni 2018 laufen die umfangreichen Bauarbeiten für das «Offene Schloss» in Burgdorf mit Jugendherberge, Gastronomie und Museum. Beim Rückbau der ehemaligen Gefängniszellen im alten Kornhaus gewann der Archäologische Dienst des Kantons Bern neue Erkenntnisse zur Gründungszeit der Burg um 1200. Zudem kamen überraschende Funde aus der Bronzezeit zum Vorschein.

In der späten Bronzezeit (um 1050 bis 850 v. Chr.) befand sich auf dem Burghügel in Burgdorf eine umfangreiche Höhensiedlung. Während Siedlungen dieser Zeit von Seeufern bekannt und gut untersucht sind, fand der Archäologische Dienst in Burgdorf nun erstmals Zeugen aus dem Emmental. Die eindrücklichsten Reste der rund dreitausendjährigen Höhensiedlung sind mehrere Gruben. Die grösste hat einen Durchmesser von vier Metern und ist mit mehreren übereinanderliegenden, stark verbrannten Lehmwänden ausgekleidet. Sie ist verfüllt mit Brandschutt, der grosse Mengen an Keramik enthält, darunter teilweise aufwendig dekorierte Gefässe.

Die aktuelle archäologische Untersuchung hat auch die Kenntnisse zur Frühzeit der mittelalterlichen Burganlage erweitert. So konnte an der Nordseite des Burghügels die älteste steinerne Ringmauer freigelegt werden. Sie gehört wohl zur Anlage, welche die Herzöge von Zähringen als prächtige Residenz um 1200 errichteten.

Direkt südlich der Ringmauer und im Burghof wurde, ebenfalls um 1200, eine rund 7 × 7 m grosse Filterzisterne errichtet. Sie sammelte das Dachwasser und war sorgfältig mit einem Mörtelboden abgedeckt. Darunter lag ein einfacher Filterkörper aus Sand und Kies, der das Wasser reinigte und die Wasserversorgung auf dem Burghügel sicherstellte. Das Fassungsvermögen der Zisterne von 20 000–30 000 Litern ist viel grösser als die Wasserspeicher anderer Burgen. Dies spricht für einen erhöhten Wasserbedarf und gibt einen Hinweis auf die geplante Funktion der Burg als temporärer Versammlungsort des zähringischen Herzogs und seiner adligen Gefolgschaft.

Blick in das neuzeitliche Kornhaus, das bis vor wenigen Jahren als Gefängnis diente. Nach dem Abbruch der Gefängniszellen wird die Dachkonstruktion nun temporär mit Holzpfosten abgestützt. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Bild vergrössern Blick in das neuzeitliche Kornhaus, das bis vor wenigen Jahren als Gefängnis diente. Nach dem Abbruch der Gefängniszellen wird die Dachkonstruktion nun temporär mit Holzpfosten abgestützt. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Unter der mittelalterlichen Burg liegen Reste einer bronzezeitlichen Siedlung. Ein Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern benetzt die stark verbrannten Seitenwände einer mit Lehm und Steinen ausgekleideten Grube von 4 m Durchmesser. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Bild vergrössern Unter der mittelalterlichen Burg liegen Reste einer bronzezeitlichen Siedlung. Ein Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern benetzt die stark verbrannten Seitenwände einer mit Lehm und Steinen ausgekleideten Grube von 4 m Durchmesser. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Der grossflächig erhaltene Mörtelboden der Filterzisterne. Zwischen den modernen Stahlstützen ist zudem der ausgebrochene, mittige Schöpfschacht und ein Teil des sandig-kiesigen Filterkörpers sichtbar. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Urs Ryter

Bild vergrössern Der grossflächig erhaltene Mörtelboden der Filterzisterne. Zwischen den modernen Stahlstützen ist zudem der ausgebrochene, mittige Schöpfschacht und ein Teil des sandig-kiesigen Filterkörpers sichtbar. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Urs Ryter


Weitere Informationen

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

https://www.erz.be.ch/erz/de/index/direktion/organisation/amt_fuer_kultur/archive/ausgabe_6_2018/bronzezeitliche_hoehensiedlung.html