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Das Futteral vom Schnidejoch

Erforschung und Konservierung der einzigen jungsteinzeitlichen Bogenschutzhülle aus Birkenkork.

In den Jahren 2003 bis 2005 wurde am Schnidejoch in der Gemeinde Lenk ein Artefakt aus zugeschnitten und vernähten Birkenkorkbahnen aus dem Eis geborgen. Der über 1,7 m lange Fund zeigt erstmals, dass bereits in der Jungsteinzeit der überlebensnotwendige Pfeilbogen in einer wasserabweisenden Schutzhülle aufbewahrt und transportiert wurde. Jedoch beinhalten Untersuchung und langfristige Erhaltung des Objektes einige Herausforderungen.

Seit April 2016 läuft ein interdisziplinäres, vom Schweizerischen Nationalfonds finanziertes, Forschungsprojekt, um Funktion, Herstellungstechnik und Bedeutung des Futterals zu bestimmen. Die Erarbeitung eines Konzepts zur langfristigen Erhaltung des einmaligen Objekts ist das wichtigste Ziel dieses Kooperationsprojekts vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern, der Hochschule der Künste Bern und der Universität Bern.
Anders als wassergelagerte Artefakte aus Seeufersiedlungen sind aus Eisfelder freigeschmolzene archäologische Funde ein junges und vergleichsweise seltenes Phänomen und es fehlen adäquate Konservierungsmethoden. Der Hauptteil des Futterals wird daher seit seiner Entdeckung bei –26 °C gefroren aufbewahrt. Dies ist die einzige sichere Methode um das feuchte und vergängliche Objekt unverändert zu erhalten.

Da das gefrorene Futteral nicht zugänglich und Oberflächendetails nicht wahrnehmbar sind, wird es für die gezielte Untersuchung kurz aufgetaut, beprobt und ein hochaufgelöstes 3D-Modell mittels Fotogrammmetrie erstellt. Eine eigens angefertigte Stützform ermöglicht es, das Futteral zu wenden, sodass erstmals auch die Unterseite sichtbar wird. Die entnommenen Proben werden mikroskopisch mit anderem archäologischem Birkenkork verglichen, um mögliche Schäden bei der Trocknung des Futterals abschätzen zu können. Nach bisherigen Erkenntnissen fand am Futteral kein mikrobieller Abbau der Zellwände statt und die Zellhohlräume sind nicht mit Wasser gefüllt. Das Risiko des Kollabierens der Zellen bei der Trocknung – die grösste Herausforderung bei der Erhaltung von Nassholz – stellt somit zumindest für das Rinden-Futteral keine Gefahr dar.

Untersuchung der Herstellungstechnik am unteren Futteralteil. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Barbara Chevallier

Bild vergrössern Untersuchung der Herstellungstechnik am unteren Futteralteil. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Barbara Chevallier

Orthoprojektion der Unterseite des unteren Futteralteils. © Paul Safko

Bild vergrössern Orthoprojektion der Unterseite des unteren Futteralteils. © Paul Safko

Dokumentation der Zellwände mittels Transmissionselektronenmikroskop. © Hochschule der Künste Bern, Johanna Klügl

Bild vergrössern Dokumentation der Zellwände mittels Transmissionselektronenmikroskop. © Hochschule der Künste Bern, Johanna Klügl


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