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Ausgabe 2/2018

Grossrätlicher Lesetipp 

Sind Sie eine Schnellleserin oder ein Schnellleser und knöpfen Sie sich deshalb zuerst das Inhaltsverzeichnis und dann den Schluss eines Textes vor? Oder machen Sie ganz brav den Gänsemarsch vom ersten Satz bis zum letzten Punkt? Oder gehören Sie etwa wie ich zu den Zentrifugallesern, die sich unsystematisch von der Mitte her an die Ränder eines Textes durchlesen? Bei der Kulturstrategie 2018, die der Grosse Rat am 19. März einstimmig verabschiedet hat, kommen alle auf ihre Rechnung. Vorausgesetzt, sie interessieren sich für die Kulturpolitik des Kantons Bern. Und dazu dürfen wir Sie als Abonnenten unseres Newsletters zählen. Auch wenn einem Strategietext nicht unbedingt die Spannung eines Kriminalromans, die Würze eines Haikus oder die Farbigkeit einer Novelle innewohnt, wurde doch in der politischen Debatte fraktionsübergreifend die gute Lesbarkeit und angenehme Kürze des Papiers hervorgehoben. Das darf man durchaus als parlamentarischen Lesetipp zur Kenntnis nehmen. 

Auf besondere Resonanz stiessen die deutliche Gewichtung von Vielfalt und Teilhabe. Die Kulturstrategie 2018 betont die ausserordentliche Stellung Berns als grossen und vielgestaltigen Kanton. Die Kulturförderung muss den spezifischen Bedürfnissen in allen Regionen und insbesondere der Zweisprachigkeit Rechnung tragen. Wichtiges Ziel ist, einer möglichst breiten Bevölkerung Zugang zur Kultur zu verschaffen. Dies kann zum Beispiel über die Schule, zusammen mit den Kulturinstitutionen oder auch unter kulturtouristischen Aspekten erfolgen. 

Die Kulturstrategie 2018 drückt uns einen Kompass in die Hand, der die Richtung für unsere staatliche Tätigkeit vorgibt. Nicht aber für die Arbeit der Kulturschaffenden! Unabhängig von der Art, wie Sie sich einen Text aneignen, als vertikale, lineare oder konzentrische Leserinnen und Leser, stossen Sie früher oder später auf folgenden Satz: "Die Kultur hält sich an keinen Plan und keine Strategie. Sie stürmt vorwärts und krebst zurück, sie stagniert und explodiert wie sie will – oder wie die unzähligen Menschen es wollen, die in der Kultur oder für die Kultur tätig sind." Würde diese ungebremste Kreativität nicht den Kern der Kultur ausmachen, erübrigte sich deren Förderung im öffentlichen Interesse. Und dann brauchte es auch keine Strategie. Was wie ein Paradoxon klingt, ist im Grunde genommen die Schlussfolgerung unseres Strategieprozesses: Je vitaler, unabhängiger und unstrategischer das Kulturschaffen ist, desto wirkungsvoller kann eine strategisch ausgerichtete Kulturförderung dem Kanton Bern und seiner Bevölkerung dienen. 

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur

 


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