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Die prähistorischen Seeufersiedlungen des Bielersees (3800-800 v.Chr.) sind schon seit etwa 1850 bekannt. Nach der 1. Juragewässerkorrektion (1868-91) sank der Seespiegel und die trocken gefallenen Siedlungsplätze wurden geplündert. 1873 erliess der Kanton Bern deshalb die erste Denkmalschutz Verordnung der Schweiz. Der heutige Zustand der etwa 35 bekannten Fundstellen ist alarmierend: Früher zerstörten häufig Bauten im Uferbereich die Siedlungsreste, heute nagt vor allem die Erosion an den Pfahlbauten. Die Wurzel des Problems ist die Juragewässerkorrektion und die dadurch ausgelösten Veränderungen der Flachwasserzone. Seither zerstört die Erosion fast unaufhaltsam die 5000 Jahre alten Fundstellen. Die Pfahlbauten sind eine der wichtigsten Quellen unserer frühen Geschichte. Ihre Dokumentation und ihr Schutz ist deshalb Aufgabe der Unterwasserarchäologie.
Die prähistorischen Siedlungsruinen in der Flachwasserzone des Bielersees sind einzigartige Zeugen unserer Geschichte. Die Seeufersiedlungen bieten einen wesentlich besseren Einblick in die materiellen Hinterlassenschaften vergangener Zeiten, als Fundstellen am trockenen Land. Unter Luftabschluss erhalten sich auch organische Materialien wie Holz, Textilien sowie pflanzliche und tierische Reste. Die unter Wasser liegenden Siedlungsreste bilden ein Archiv für verschiedene Wissenschaften. Neben der Archäologie interessieren sich auch die Archäobiologie, die Sedimentologie sowie die Limnologie (Gewässerkunde) und die Klimatologie für diese Fundstellen.

Auf der Tauchplattform
Seeufersiedlungen besitzen wegen den besonderen Erhaltungsbedingungen und der Möglichkeit von auf das Jahr genauen Datierungen mit Hilfe der Dendrochronologie exemplarische Bedeutung, wenn man verstehen will, wie der Mensch begonnen hat, seine Landschaft zu verändern. Mit Hilfe von modernen Ausgrabungstechniken und naturwissenschaftlichen Untersuchungen kann heute ein lebendiges Bild der bäuerlichen Lebensverhältnisse vor 5000 Jahren entworfen werden.
Zur Dokumentation der bedrohten Seeufersiedlungen verfügt der Archäologische Dienst des Kantons Bern über eine permanent tätige Tauchequipe. Die Arbeitsstelle des Teams und das angeschlossene dendrochronologische Labor befindet sich seit Oktober 1988 im von-Rütte-Gut in Sutz-Lattrigen am Bielersee.
Für die Ausgrabungen unter Wasser stehen eine mobile Tauchbasis und professionelles Equipment zur Verfügung.

Unterwasser beim Dokumentieren
Ausgangspunkt für die Einsätze der Unterwasser-Archäologen ist eine mobile Tauchbasis. Das Boot bringt die Taucher auf die nahe der Grabungsfläche stehende Arbeitsplattform. Sie sind mit Trockentauchan-zügen gegen Kälte und Nässe geschützt. Die Tauchgänge eines Zweierteams dauern in der Regel drei Stunden. Die Unterwasserarchäologie ist auf verschiedene technische Hilfsmittel angewiesen. Die Tauchbasis an Land ist Standort der Kompressor-Anlage. Die Taucher werden von hier aus mit Luft versorgt. Ein Unterwassertelefon verbindet die Taucher mit der Tauchbasis und dient ihrer Sicherheit.
Unter Wasser erzeugt ein System aus Pumpen und Strahlrohren eine künstliche Strömung und sorgt so für klare Sicht. Am Seegrund wird systematisch innerhalb eines genau vermessenen Grabungsareals ausgegraben. Wichtige Befunde können mit Hilfe von 1 m2 grossen Plexiglasplatten und Fettstiften gezeichnet oder mit einer Unterwasserkamera fotografiert werden.

Im Pfahlfeld
Anschliessend wird der Tauchgang dokumentiert: Funde werden zum Waschen und Inventarisieren vorbereitet, Daten von Hölzern erhoben und die unter Wasser beobachteten und zeichnerisch fest-gehaltenen Befunde umgezeichnet (Pfahlplan, Schichtprofile usw.).