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Archäologie

Dendrochronologie

In ständig feuchtem Milieu kann Holz unter Sauerstoffabschluss Jahrtausende überdauern. Mit der Dendrochronologie ist es möglich das Fälldatum von Bauhölzern unter bestimmten Bedingungen jahrgenau zu bestimmen. Beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern wird diese Technik seit Mitte der 1970er Jahre angewendet und ständig weiterentwickelt. Das dendrochronologische Labor befindet sich in der Aussenstelle für Unterwasserarchäologie in Sutz-Lattrigen.

Die Dendrochronologie basiert auf dem jahreszeitlich bedingten Wechsel von Vegetationsperiode und Ruhephase im Wachstum der Bäume. Unter dem Mikroskop zeigt ein Baumquerschnitt eine typische Abfolge von Frühholz und Spätholz, die dem Zyklus zwischen Frühjahr und Herbst entspricht.

Bild zoomenDendrochronologie

Dendrochronologie

  

Das Wachstum eines Baumes hängt von den überregionalen klimatischen Faktoren und den lokalen Standortbedingungen (Wasserversorgung, Beschattung, Insektenbefall) ab. Die Jahrringe spiegeln die klimatischen Faktoren und die Standortbedingungen für die gesamte Lebenszeit eines Baumes. Ihr Wachstumsmuster lässt sich mit einem Strichcode oder einem Fingerabdruck vergleichen. Es wird mit mathematischen Verfahren in eine graphische Kurve umgesetzt.

Für die dendrochronologische Datierung eines prähistorischen Holzobjektes sind mehrere Schritte notwendig:

  1. Erstellen einer Referenz- oder Vergleichskurve: Im Überbrückungs-verfahren werden Jahrringkurven von heute gefällten Bäumen mit Hölzern aus mittelalterlichen Bauten und römischen Brücken, natürlich abgelagerten Stämmen sowie Pfählen aus Seeufersiedlungen überlappend in die Vergangenheit verlängert. Dieser erste Schritt erforderte die jahrelange Zusammenarbeit von Forschungsteams in ganz Europa. Heute (2001) liegt eine mitteleuropäische Vergleichskurve bis ins Jahr 8480 v.Chr. vor.
  2. Erstellen einer Individualkurve: Während der Ausgrabung wird von jedem Pfahl eine Holzscheibe abgesägt. Unter dem Mikroskop werden die Abstände der Jahrringe zwischen Mark und Rinde gemessen und vom Computer in eine individuelle Wachstumskurve umgesetzt. In der Regel fallen in einer Ausgrabung viele Hölzer an, die gleich alt sind und deren Messung fast iden-tische Kurven ergibt. Dadurch erhält man eine Mittelkurve, die standortbedingte Schwankungen der Individualkurven ausgleicht.
  3. Kurvenvergleich: Um das Fälldatum einer Holzprobe zu ermitteln vergleicht man die Individualkurve, die Mittelkurve und die Referenzkurve. Wenn sich ihre Verläufe decken, kann das Schlagjahr aus der Referenzkurve abgelesen werden. Das jahrgenaue Fälldatum erhält man nur, wenn der zuletzt angelegte Jahrring (Waldkante) noch vorhanden ist. Sind nur noch Splint- oder Kernjahrringe erhalten, muss das Schlagdatum geschätzt werden.

Im Rahmen der Ausgrabungen des Bielerseeprojekts wurden seit 1984 mehr als 10000 Holzproben untersucht. Eichen, Eschen- und Tannenproben eignen sich besonders gut zu Datierungszwecken, weil sie deutlich unterscheidbare Jahrringe ausbilden.

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