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Wangen - «Alte Rotfarb»

Der markante Gründungsbau der ehemaligen Rotfärberei Rikli & Cie aus dem
Jahr 1817 ist seit 2006 wieder im Besitz der Wangener Familie Rikli.

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Traufseite mit gedeckter Laube im
Obergeschoss. Foto 2009 (Verena Gerber-Menz).

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In der Alten Rotfarb gründete die Familie Rikli vor gut 200 Jahren ihre Färberei, die sich im Lauf des 19. Jahrhunderts zum international gefragten Lieferanten für türkischrot gefärbtes Garn entwickelte. Die Familie Rikli führte den Betrieb über mehrere Generationen und bot bis zu 100 Beschäftigten Arbeit. Die Alte Rotfarb war Kern eines ausgedehnten Industrieareals, das von zwei Wasserkanälen durchflossen wurde und dessen riesige Tröckne-Hallen und Hochkamine von weither sichtbar waren. Als im fortgeschrittenen 19. Jahrhundert die chemisch hergestellten Anilinfarben auf den Markt drangen, rentierte die zeit- und energieaufwändige Gewinnung der roten Farbe aus der Krapp-Wurzel nicht mehr – 1897 kam es zur Liquidation der Rotfärberei. Die meisten der zahlreichen Färberei-Bauten hatten dem 1903 erbauten Primarschulhaus und dessen Umgebung zu weichen. Einzig die Alte Rotfarb selbst (Rotfarbgasse 7), das Wohnhaus Rotfarbgasse 3 sowie eine Scheune (Schulhausstrasse 1) und die Häuserzeile Rotfarbgasse 8 und 10 haben sich als Zeugen des Färbereigewerbes in Wangen erhalten.

Vom Färben zum Wohnen

Die Alte Rotfarb nach dem Umbau und der Restaurierung. Foto 2009 (Verena Gerber-Menz).

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Das Rotfarb-Gebäude diente in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschiedenen Zwecken, vom Kolonialwarenladen bis zur Bäckerei. Im Ober- und Dachgeschoss blieben die Wohnungen bestehen. Diese Mischnutzung aus Gewerbe und Wohnen sieht man dem Gebäude noch heute an: Erinnert das voluminöse Haus mit seinem weit ausladenden Dach und den allseitig umlaufenden Lauben auf den ersten Blick an ein spätbarockes Bauernhaus im Berner Mittelland, so zeigt sich die Funktionsvielfalt des in seinen Einzelheiten schon klassizistischen Baus aus der Nähe: Das hohe gemauerte Erdgeschoss besteht aus zwei gewölbten Kellern. Hier dürfte ursprünglich gefärbt worden sein; nach dem Bau weiterer Fabrikationsanlagen wurden die Keller vermutlich für andere Produktionsschritte genutzt. Das Obergeschoss ist längsseitig von gedeckten Lauben flankiert und verfügt an den Stirnseiten über zwei Terrassen. Es beherbergte eine grosszügig dimensionierte Wohnung, deren qualitätvolle Ausstattung mit Parkettböden, Wandtäfer, Wandschränken, stuckierten Gipsdecken und Kachelöfen sich weitestgehend erhalten hat und beispielhaft bürgerliche Wohnkultur der Biedermeierzeit verkörpert. Einfacher gehalten waren die Wohnräume im Dachgeschoss, die 1956 im Rahmen eines nur teilweise verwirklichten Projekts für einen Gesamtumbau modernisiert wurden. Grösse und Gesamtform der Rotfarb sind beeindruckend; der Bautypus ist einzigartig. Das zeigt sich auch in den Details wie den mit Lattenrosten ausgestatteten Dachuntersichten der Ründen zur Belüftung des Dachraumes.

Mut zum Aussergewöhnlichen

Herrschaftliche Eingangstür im Erdgeschoss. Foto 2009
(Verena Gerber-Menz).

Agrandir l'image Herrschaftliche Eingangstür im Erdgeschoss. Foto 2009 (Verena Gerber-Menz).

Dem neuen Eigentümer stellte sich zuallererst die Frage nach der künftigen Nutzung der sanierungsbedürftigen Rotfarb. Insbesondere bei den Kellern, deren Volumen durch Zwischenwände verstellt war. Beide Keller konnten – der Unterteilungen entledigt – zu loftartigen Wohnungen umgenutzt werden. Die Raumhöhe erlaubte dabei den Einbau einer zweiten Wohnfläche in Gestalt eines von den Wänden losgelösten Zwischenbodens aus Stahl. So blieben die riesigen Keller unversehrt und nach wie vor räumlich erlebbar. Sie bieten grosszügig Platz für eine nicht alltägliche Form des Wohnens im Baudenkmal.

Das Obergeschoss war ursprünglich über eine zweiarmige Aussentreppe an der Südwestseite erschlossen, die im 20. Jahrhundert durch eine Innentreppe ersetzt wurde. Aufgrund von Befunden am Bau und historischen Abbildungen liess sich die Aussentreppe rekonstruieren. Die unschönen Eternitrohre, welche die längsseitigen Lauben stützten, wurden durch gedrechselte Eichensäulen und -pfosten ersetzt, die der ursprünglichen Ausführung entsprechen. Die Lauben selbst konnten von nachträglichen Einbauten befreit und die pavillonartigen Eckkuben mit Holzschindeln neu verrandet werden. Die historische Wohnung im Obergeschoss wurde in zwei Einheiten unterteilt; die qualitätvolle feste Ausstattung jedoch belassen und restauriert. Demgegenüber liess sich das Dachgeschoss vollständig neu aufteilen und für die Wohnnutzung optimieren. Richard Buser

Wangen an der Aare. Rotfarbgasse 7.

Bauuntersuchung, Planung, Restaurierung und Umbau: 2006–2009

Bauherrschaft: Peter Rikli, Wangen a. A.

Architekt: Galli + Siegenthaler Bauplanungen AG, Obergerlafingen u. Burgdorf

Historische Bauuntersuchung: Urs Bertschinger, Biel-Bienne

Unterschutzstellung: Kanton 2006, Bund 2006

Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/Polizei- und Militärdirektion) und Bund (Bundesamt für Kultur)


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http://www.erz.be.ch/erz/fr/index/kultur/denkmalpflege/aus_unserer_arbeit-1/_alte_rotfarb_wangen.html