Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Was macht eigentlich eine Bauberaterin?

Gespräch mit Dominique Plüss

Dominique Plüss, Du arbeitest seit Januar 2010 als Bauberaterin bei der Denkmalpflege des Kantons Bern. Was macht eigentlich eine Bauberaterin?

Es kommt drauf an, ob ich unterwegs oder im Büro bin. Wenn ich unterwegs bin habe ich jeweils sechs, acht verschiedene Termine. Ich bespreche mit den jeweiligen Bauherrschaften und gegebenenfalls mit Behördenvertretern die Bauvorhaben. Es geht dabei um die Fragen, auf welche Gebäudeteile aus denkmalpflegerischer Sicht Rücksicht genommen werden muss und wie eine Lösung aussehen könnte. Ich mache auch Vorschläge, zu den Materialien etwa. Wenn ich im Büro bin, bearbeite ich Fragen, die unterwegs aufgetaucht sind. Manchmal muss ich noch etwas abklären. Oder ich bearbeite Baugesuche, berechne Subventionen, schreibe Fachberichte – und ich telefoniere sehr, sehr viel.

Dominique Plüss arbeitet seit Januar 2010 als Bauberaterin bei der kantonalen Denkmalpflege

Bild vergrössern Dominique Plüss arbeitet seit Januar 2010 als Bauberaterin bei der kantonalen Denkmalpflege

Welche Bauvorhaben landen überhaupt bei Dir? Wenn ich ein Haus umbauen will, kommt mein Baugesuch ja nicht automatisch zur Denkmalpflege.

Nein, nur die Häuser, die im Bauinventar als sogenannt kantonale Objekte eingestuft sind. Baugesuche, die solche Häuser betreffen, kommen automatisch zu uns. Viele Hausbesitzer nehmen von selbst mit uns Kontakt auf, wenn sie umbauen wollen.

Nehmen wir an, ich habe ein Wohnhaus von 1900, das als kantonales Objekt im Bauinventar aufgeführt ist. Ich möchte umbauen und reiche bei der Gemeinde ein Baugesuch ein. Was passiert jetzt?

Wenn ein Baugesuch eingereicht wird, muss die Gemeindeverwaltung bei diversen Fachstellen Fachberichte einholen, zum Beispiel beim Tiefbauamt, beim Amt für Gewässerschutz, bei der Gebäudeversicherung. Eine dieser Fachstellen ist die Denkmalpflege.

Was steht denn in einem solchen Fachbericht?

Das Bauvorhaben wird denkmalpflegerisch bewertet und unsere Anliegen werden formuliert. Oft sind die geplanten Eingriffe aus unserer Sicht unproblematisch. Manchmal müssen die Baugesuchspläne aber angepasst werden, bevor das Projekt bewilligt werden kann.

Und der Fachbericht geht dann an die Gemeinde zurück?

Ja. Und diese informiert die Bauherrschaft. Wenn der Bericht Auflagen enthält, meldet sich die Bauherrschaft für eine Besprechung bei uns.

Wie oft gehst Du während eines Umbaus auf der Baustelle vorbei?

Das hängt vom Objekt und von der Grösse des Eingriffs ab. Es kann sein, dass ich bei einem Objekt nur ein einziges Mal hingehe; manchmal braucht es aber eine fachliche Beratung und Begleitung, die monatelang dauert. Manchmal passiert auch Unvorhergesehenes. Es kommt zum Beispiel hinter einem Täfer eine kostbare Tapete zum Vorschein. Dann bespricht man vor Ort, wie es weitergehen soll.

Und was passiert, wenn die Hauseigentümer lieber eine weisse Wand wollen, als die kostbare Tapete, die zum Vorschein gekommen ist.

Dann holt man die Tapete nicht hervor, schaut aber, dass sie erhalten bleibt – wenn dies möglich ist. Es kann ja sein, dass die Leute, die in fünfzig Jahren im Haus wohnen, gern mit dieser Tapete leben wollen. Dann kann man sie hervorholen. Unser Anliegen ist, dass wertvolle Bauteile nicht zerstört werden, nur weil sie einem nicht gefallen oder weil sie gerade nicht zu den Lebensumständen passen.

Wenn ich nun aber die Wand mit der kostbaren Tapete abbrechen will, um das Wohnzimmer zu vergrössern? Kannst Du das verhindern?

Die Denkmalpflege ist keine Baubewilligungsbehörde, sondern eine Fachstelle. Die Entscheidung liegt bei der Gemeinde und beim Regierungsstatthalteramt. Wenn diese unsere Auflagen nicht berücksichtigen, können wir eine Beschwerde einreichen, die unter Umständen bis vor Bundesgericht gehen kann. Das kommt aber kaum vor. Man findet meist Lösungen, die sowohl den Eigentümern wie auch dem Haus gerecht werden. Es braucht halt manchmal Zeit.

Machst Du auch wissenschaftliche Abklärungen – zum Beispiel historische – zu den Häusern, mit denen Du zu tun hast?

Zeit dafür bleibt leider kaum. Wir Bauberater arbeiten aber mit dem Fachbereich Forschung und Dokumentation der Denkmalpflege zusammen, oft auch mit Restauratoren, mit Fachleuten also, die Auskunft geben können über das Alter eines Bauteils, über Malereien, Materialien oder über die Machbarkeit einer Restaurierung.

Wie wird man eigentlich Bauberaterin?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Ich selber bin Architektin. Ich habe zuerst eine Lehre als Hochbauzeichnerin gemacht und anschliessend an der Fachhochschule Architektur studiert. Kürzlich habe ich noch ein Studium in Kulturwissenschaften abgeschlossen. Zudem habe ich mich in den letzten Jahren auf Architekturfotografie spezialisiert.

Du hast zwanzig Jahre als Architektin gearbeitet. Warum geht eine erfahrene Architektin wie Du zur Denkmalpflege? Wollen Architekten denn nicht vor allem Neues schaffen?

Ich habe am Anfang meines beruflichen Lebens fünf Jahre an Neubauten gearbeitet. Danach habe ich fünfzehn Jahre lang fast ausschliesslich Häuser umgebaut – meist denkmalgeschützte. In alten Häusern findet man immer wieder diffuse Spuren unserer Vorfahren und muss entscheiden: Welche sollen bleiben, sind wichtig sind für das Haus, für seinen Charakter, seine Atmosphäre. Das interessiert mich. Mich haben alte Häuser schon als Kind fasziniert.

 


Weitere Informationen

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

http://www.erz.be.ch/erz/de/index/kultur/denkmalpflege/bau-_und_ortsbildpflege/bauberatung/arbeitsalltag.html