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Neue Publikation der Denkmalpflege Kloster und Schloss Interlaken - ein bauhistorisches Juwel

21. November 2013 – Medienmitteilung

Die soeben erschienene Publikation «Kloster und Schloss Interlaken. Neun Jahrhunderte bauen, nutzen und pflegen» veranschaulicht die wechselvolle bauliche Entwicklung des überregional bedeutenden Oberländer Gebäudeensembles. Auf der Grundlage bauhistorischer Untersuchungen und Quellenstudien präsentiert die reich illustrierte Monografie die komplexe Baugeschichte und den kulturhistorischen Kontext eines der grossen Doppelklöster der Schweiz sowie die bauliche Entwicklung zur bernischen Landvogtei und schliesslich zum heutigen Verwaltungssitz. Daneben gibt das Werk Einblick in die denkmalpflegerische Praxis der letzten 30 Jahre.

Im weitläufigen Interlakner Schlossensemble wurden 1986 im Rahmen eines Umbauprojekts erstmals gezielte bauhistorische Sondierungen durchgeführt. In der ehemaligen Propstei kam unter den jüngeren Raumauskleidungen eine Fülle von Ausstattungselementen aus verschiedenen Jahrhunderten zum Vorschein, die alle Erwartungen übertraf. Dazu gehört unter anderem ein hervorragend gezimmertes Stubenwerk aus der Zeit um 1490. Auch spätere Sanierungsetappen in anderen Gebäudeflügeln öffneten einen tiefen Blick in die Baugeschichte, beispielsweise durch die Entdeckung des vollständig ausgemalten Saals aus der Zeit kurz nach 1750 in der ehemaligen Landschreiberei: Durch Arkaden blickt man vermeintlich in einen barock gestalteten Garten. Erst 2012 entdeckte man im 2. Stock der Propstei die reiche Bemalung der Wände und Decken im Korridor. Die fröhlich anmutende Dekoration gehört zu den umfangreichsten und am besten erhaltenen Malereien des 17. Jahrhunderts, die in jüngster Zeit im Kanton Bern gefunden wurden.

Neueste Forschungserkenntnisse

Die spektakulären Funde animierten dazu, die Baugeschichte der Schloss- und Klosteranlage unter neuen Voraussetzungen gezielt zu erforschen. Der Autor Hans Peter Würsten stützte sich neben den bauhistorischen Untersuchungen, die sich aus sehr viele kleinen und kleinsten Informationen zusammensetzen, auch auf umfangreiche Quellenstudien – Schicht für Schicht legte er so die Geschichte der Anlage frei und fügte die Teile mosaikartig zu einem Ganzen zusammen. Der gewollt dokumentarische Charakter des Werkes lässt bewusst Alltägliches, scheinbar Unwichtiges und Fragwürdiges aufscheinen.

Der Autor verfolgte das Ziel, die Baugeschichte umfassend darzustellen. Deshalb wählte er eine Gliederung, die ein abschnittweises Lesen und Nachschlagen möglich macht. Eine Vielzahl von Plänen, Zeichnungen und Fotografien unterstützt dabei den Text. Durch eine vertiefte Auseinandersetzung mit Vergleichsobjekten wird das bedeutende Ensemble gewürdigt. Der ehemalige Denkmalpfleger Jürg Schweizer setzt in einem Beitrag den Chor und Lettner der Klosterkirche in einen Bezug zur oberrheinischen Bettelordensarchitektur und ordnet beide architekturhistorisch und zeitlich genauer ein. Weitere Vergleiche des Autors enden nicht mit der Klosterzeit, sondern schliessen auch das 1750 entstandene Neue Schloss ein, das mit anderen Landvogteineubauten des 18. Jahrhunderts verglichen wird. Im Anhang vermittelt eine Zusammenstellung einen Überblick über wichtige bautechnische und handwerkliche Leistungen vergangener Epochen.

Zurückhaltung des Staates Bern konservierte die Bauwerke

1528 führte Bern in seinem Herrschaftsgebiet die Reformation ein und trat als expandierender Stadtstaat die Nachfolge der Klöster und Stifte an. Wie auch andernorts richtete die Stadt Bern im ehemaligen Kloster Interlaken eine Landvogtei und ein Spital ein. In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten erlebte die Anlage viele bauliche Interventionen, deren Umfang aber meist Bedacht und Augenmass erkennen lässt. Die Klosterlandvogtei Interlaken bestätigt exemplarisch, was an vielen Bauwerken aus dem alten Bern beobachtet werden kann, nämlich die sprichwörtliche bernische Sparsamkeit und Zurückhaltung: Man baute lieber um als neu und nutzte die alte Bausubstanz auch dann, wenn dadurch Einschränkungen in Kauf genommen werden mussten. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass bis auf den heutigen Tag ein bauhistorisch aussergewöhnlich reicher Bestand erhalten blieb. 

Intensive Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern

Mehrfach führten auch archäologische Bodenuntersuchungen zu neuen Erkenntnissen. An jeder Stelle, wo der Boden geöffnet wurde, traten Baustrukturen zum Vorschein. Diese wurden vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern analysiert und dokumentiert. Ein Beitrag von Armand Baeriswyl widmet sich aufgrund der jüngsten archäologischen Forschungen der frühen Baugeschichte des Klosters. Der Autor Hans Peter Würsten, der seit fast 30 Jahren auch sämtliche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten denkmalpflegerisch begleitet hat, arbeitete intensiv mit dem Amt für Grundstücke und Gebäude und mit den Architekten zusammen. Viele weitere Institutionen und Personen wie bspw. das Staatsarchiv und zahlreiche Bibliotheken waren an der Entstehung des Werks beteiligt. Für die Herausgabe des Buchs war die finanzielle Unterstützung durch zahlreiche Behörden und private Institutionen der Region, des Kantons und darüber hinaus entscheidend. Dank ihrem Engagement wurde der Druck der Publikation möglich.

Ein Werk für Fachpersonen und interessierte Laien

Die Monografie über das Kloster und Schloss Interlaken versucht einen Spagat: Das Buch will Fachpersonen der Bau- und Architekturgeschichte und der Denkmalpflege die bauliche Entwicklung des Doppelstifts Interlaken zur bernischen Klosterlandvogtei und schliesslich zum heutigen Verwaltungssitz aufzeigen. Es soll aber genauso die Neugierde des interessierten Laien wecken: Das Baugeschehen im Kloster und Schloss lässt sich mühelos mit der lokalen und regionalen Kultur- und Sozialgeschichte verweben.

Kloster und Schloss Interlaken. Neun Jahrhunderte bauen, nutzen und pflegen. Herausgegeben von der Erziehungsdirektion des Kantons Bern. Ca. 560 Seiten, zahlreiche Pläne und Abbildungen, CHF 85, ISBN 978-3-7272-1242-0.

Ab 22. November 2013 in Buchhandlungen oder bei order@staempfli.com , Tel. 031 300 66 77, zu beziehen.

Bildmaterial aus dem Buch sowie Rezensionsexemplare können Sie per Mail bestellen:
charlotte.kraehenbuehl@staempfli.com

Mediendokumentation

Buchumschlag. Blick von Süden auf die Schlossanlage Interlaken. Links das Neue Schloss von 1750, seitlich angrenzend der ehemalige Klosterkomplex, im Hintergrund die alte Klosterkirche. Kolorierte Tuschzeichnung von Emil Bürki, Architekt, Bern, 1940.

Die Klosteranlage entstand im 12. Jahrhundert. In den nachfolgenden rund 900 Jahren erlebte sie mehrfach weitreichende bauliche und nutzungsmässige Veränderungen. Die Abbildung aus den 1830er Jahren zeigt den Chor der Klosterkirche, der nach der Reformation durch den Einzug von Böden zum Kornhaus umgebaut worden war. Rechteckige Etagenfenster ersetzten die grossen spitzbogigen Öffnungen und machten so die Nutzungsänderung auch von aussen ablesbar. Anonymes Aquarell.

Ehemaliger Zelleneingang von 1450 im östlichen Flügel des Klosters. Das präzis modulierte Kielbogenportal besteht, wie die Wandfläche, aus glatt abgepresstem, steinhartem Gipsmörtel. Die vermauerte Öffnung wurde 2010 entdeckt, freigelegt und konserviert. Foto: Markus Beyeler.

2012 entdeckte man die Bemalung der Wände und der Decke im Korridor des zweiten Stocks der ehemaligen Propstei. Seit der Reformation 1528 diente das Wohnhaus des Propsts als landvögtliche Residenz. 1658–1659 wurde das Gebäude aufgestockt, renoviert und von Malermeister Marti aus Brugg mit einer fröhlich anmutenden Dekorationsmalerei versehen. Sie gehört zu den umfangreichsten und am besten erhaltenen Malereien des 17. Jahrhunderts, die innerhalb der letzten Jahre im Kanton Bern gefunden worden sind. Die Abbildung zeigt eine Wandpartie mit der restaurierten Bemalung von 1659. Die Tür wurde im 19. Jahrhundert erneuert, die alte Einfassung hinterliess in der Bemalung einen weissen Negativabdruck. Foto: Markus Beyeler.

 

 

Propstei, Korridor im 2. Obergeschoss; Aufnahme während der Bauarbeiten im Sommer 2012. Zustand nach der Entfernung der Spanplattenauskleidung und der Gipsdecke. Die Grisaille-Deckenmalerei von 1659 ist im südlichen Abschnitt nie überstrichen worden und unversehrt erhalten geblieben. Die Bemalung der Wände ist noch nicht sichtbar, weil die jüngeren Verputzschichten sie noch bedecken.  Foto: Denkmalpflege des Kantons Bern.

Propstei, Korridor im 2. Obergeschoss; Aufnahme während der Restaurierung im Herbst 2012. Ausschnitt der Wandmalerei von 1659, Zustand nach der Freilegung. Die Pickelhiebe dienten der besseren Verankerung der Verputzschicht, mit der die Malerei im 19. Jahrhundert zugedeckt wurde. Foto: Denkmalpflege des Kantons Bern.

In der Landschreiberwohnung wurde kurz nach 1750 ein etwas älterer schlichter Saal durch die Bemalung der Wände und der Decke so verändert, dass man die Illusion hat, sich in einer offenen Gartenhalle aufzuhalten. Durch Arkaden blickt man vermeintlich in einen barock gestalteten Garten. Im Hintergrund erstreckt sich eine Phantasielandschaft, die vom realen Umland um den Thuner- und Brienzersee beeinflusst ist. Es war vermutlich der damalige Landschreiber, der sich hiermit ein Privatvergnügen leistete. Die Malerei wurde 1998 freigelegt und restauriert. Foto: Markus Beyeler.

Von 1748 bis 1750 liess die Stadt und Republik Bern in Interlaken einen neuen Amtssitz bauen. Den Entwurf der grosszügigen barocken Dreiflügelanlage verfasste der bekannte Architekt Albrecht Stürler, umgesetzt wurde der Plan durch Werkmeister Emanuel Zehender. Das Innere des dreistöckigen Hauptgebäudes blieb weitestgehend erhalten. Mehrfach stark umgebaut wurden lediglich die Seitenflügel, die einst die Diensten- und Wirtschafträume enthielten. Foto: Christian Helmle.

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