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Optimierung von Schulstrukturen

Die Einführung des Verursacherprinzips

Das Finanzierungssystem stellt eine direkte Beziehung her zwischen der Schulorganisation und der finanziellen Belastung einer Gemeinde:

Kostenverursachend sind die Lektionen, die für den Unterricht eingesetzt werden und für die eine Lehrperson bezahlt wird. Im Finanzierungssystem werden die Kosten, die eine Lektion verursacht, je zur Hälfte von der Gemeinde und vom Kanton übernommen. Die Gemeinde erhält zusätzlich für jedes Kind mit gesetzlichem Wohnsitz, das die Volksschule besucht, einen Schülerbeitrag. Je mehr Schüler/innen von einer Lektion profitieren, desto mehr Schülerbeiträge stehen der Gemeinde zur Verfügung, um ihre Hälfte an den Kosten zu finanzieren.

Der Anteil, den der Kanton zusätzlich zu den 50% in Form von Schülerbeiträgen übernimmt, macht 20% der gesamten Gehaltskosten aus, so dass im Kantonsdurchschnitt schliesslich 30% der Gehaltskosten von den Gemeinden finanziert werden müssen. Für die einzelne Gemeinde beträgt dieser Anteil bei optimalen Schulstrukturen unter 30%, bei suboptimalen über 30% (s. Das Finanzierungssystem der Volksschule).

Die finanzielle Belastung einer Gemeinde hängt im Finanzierungssystem demnach unmittelbar davon ab, wie das Verhältnis von Lektionen einerseits und Schüler/innen andererseits gestaltet werden kann – sei es in der eigenen Schule, sei es dort, wo die Gemeinde ihre Schüler/innen hinschickt.

Gestaltungsmöglichkeiten

  • Mehr oder weniger Lektionen für mehr oder weniger Schüler/innen
    Art. 47 Volksschulgesetz räumt den Gemeinden die Entscheidkompetenz ein in Bezug auf die Eröffnung und Schliessung von Klassen, auf das Angebot an fakultativen Lektionen im Regelunterricht und an besonderen Massnahmen. Vorausgesetzt wird das Einverständnis der Erziehungsdirektion, die sich dabei auf die Richtlinien für Schülerzahlen (PDF, 58 KB, 9 Seiten), auf den obligatorischen Lehrplan sowie die BMV-Verordnung stützt.

    Bei gleicher Schülerzahl bedeuten mehr Lektionen mehr Kosten, weniger Lektionen weniger Kosten. Mit einer Klassenschliessung lassen sich Kosten senken, falls dadurch Lektionen eingespart werden können. Werden Schüler/innen verschiedener Jahrgänge in einer Klasse zusammengeführt, braucht es meistens zusätzliche Lektionen für den abteilungsweisen Unterricht. Kleine Mehrjahrgangsklassen können deshalb sehr teuer werden.

    Das gleiche Prinzip gilt auch bei der Schliessung von Schulstandorten. Nur dann, wenn gleich viele Schüler/innen mit weniger Lektionen unterrichtet werden können, ergeben sich Einsparungen. Abgesehen davon, dass es sich dabei um gemeindepolitisch heikle Prozesse handelt, müssen hier unbedingt die Folgekosten (Infrastruktur, Betrieb, Schülertransporte) berücksichtigt werden.
  • Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit
    Einzelne Fächer, Schulstufen, besondere Massnahmen oder der gesamte Volksschulunterricht können für mehrere Gemeinden zentral von einer Sitzgemeinde übernommen werden. Sie stellt die Lehrpersonen an, meldet die Pensen, rechnet mit dem Kanton ab und verrechnet die Kosten in Form von Gehaltskostenbeiträgen an die angeschlossenen Gemeinden weiter. Mitsprache, Kostenbeteiligung etc. werden vertraglich geregelt. Bestehende Schulstandorte können aufrechterhalten oder aufgelöst werden: Einsparungen werden dann realisiert, wenn sich - dank des grösseren organisatorischen Spielraums - Lektionen einsparen lassen.

    Die Gemeinden können sich auch für eine Verbandslösung entscheiden, die vom Kanton (Amt für Gemeinden und Raumordnung / Abteilung Gemeinden) genehmigt werden muss. Der Schulverband stellt die Lehrkräfte an, meldet die Pensen und rechnet mit dem Kanton ab. Er finanziert seine Aufwendungen mit den Gehaltskostenbeiträgen der Verbandsgemeinden.

Unbeeinflussbare Kostenfaktoren

In der konkreten Situation sieht sich eine Gemeinde bei der Optimierung ihrer Schulstrukturen einer Vielzahl von Kostenfaktoren gegenüber, die sie selber kaum oder überhaupt nicht beeinflussen kann:

  • Anzahl Schüler/innen in der Gemeinde
    Die (absolute) Anzahl Kinder im Volksschulalter ist weder unmittelbar noch kurzfristig beeinflussbar. Der Schülerrückgang führt gerade in kleinen Gemeinden zu immer höheren Kosten pro Schüler/in, weil die Klassen immer kleiner werden, oder weil Mehrjahrgangsklassen mehr Lektionen benötigen. Mit vielen Kindern ist es hingegen leichter, grössere und damit günstige Klassen zu realisieren: Bis eine Klasse „voll“ ist, verursacht ein Kind zusätzlich keine Mehrkosten, bringt aber einen Schülerbeitrag mit. Die Kosten steigen erst dann sprunghaft an, wenn eine neue Klasse eröffnet werden muss.
  • Demographische, topographische und soziodemographische Bedingungen
    Unbeeinflussbar ist ebenfalls der Schüleranteil, d. h. das Verhältnis Schüler – Einwohner, das bestimmt, wie viele Einwohner für die Kosten aufkommen können. Topographische Bedingungen wie z. B. eine Streusiedlung, erschweren eine zentralisierte und damit kostengünstige Schulorganisation. Schwierige soziodemographische Bevölkerungsstrukturen, z. B. viele fremdsprachige Kinder, gehen meist einher mit überdurchschnittlichen Integrationsbemühungen und einem grösseren Aufwand an besonderen Massnahmen.
  • Obligatorischer Lehrplan
    Mit dem obligatorischen Lehrplan, der verbindlich vorgibt, wie viele Lektionen pro Fach und Schulstufe einem Kind erteilt werden müssen, sind bereits 70 - 75% der Gehaltskosten bestimmt. Der Gestaltungsspielraum von Gemeinde und Schulleitung beschränkt sich darauf, die zur Verfügung stehenden Lektionen für Fakultativunterricht, abteilungsweisen Unterricht und besondere Massnahmen mehr oder weniger auszuschöpfen.
  • Zentrale Lohnpolitik
    Aufgrund der kantonalen Lohnpolitik und des einheitlichen Lohnsystems (Art. 12–16 Gesetz über die Anstellung der Lehrkräfte LAG) erhält jede Lehrperson für die gleiche Tätigkeit und mit gleicher Erfahrung den gleichen Lohn, unabhängig davon, in welcher Gemeinde sie angestellt ist.

Kontakt

Beratung bei Veränderungen von Schulstrukturen
Regionale Schulinspektorate


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