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Extra-Newsletter vom 20. Juli 2017

Ausgespuckt

Gelegentlich braucht es einen Newsletter ausserhalb der Planung. Der kantonale Krisenstab hält sich nicht an die Sommerferien, wenn eine Dürre droht oder Grundwasser gefährdet ist. Und wenn Nachrichten Mitte Juli platziert werden, um sie im Schatten der politischen Sommerpause vorbeihuschen zu lassen, dann gilt es erst recht in die Tasten zu greifen. Bei substanziellen kulturpolitischen Entscheiden gibt es keinen Rückzug in die Sommerfrische.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat bekannt gegeben, welche Museen zukünftig unterstützt werden sollen und in welcher Höhe. Dafür wurde eine mathematische Formel entwickelt. Es wurden Budgets eruiert, Zahlen analysiert, mit Prozenten jongliert. Wurzeln wurden keine gezogen. Vor allem wurde subtrahiert, damit die Addition aufs helvetische Ganze gelingen konnte. Die Zahl, welche die Formel ausgespuckt hat, wurde nun den Museen mitgeteilt: Statt bisher sieben werden neu dreizehn Museen unterstützt – und damit ist in jeder Landesregion die mittlere (Un-)Zufriedenheit wieder hergestellt.

Am Drastischsten trifft der BAK-Entscheid das Alpine Museum der Schweiz (alps) in Bern: Der Betriebsbeitrag des Bundes soll von über 1 Mio. Franken auf 250'000 Franken gekürzt werden. Begründet mit einer Formel. Nicht mit der Leistung und der Bedeutung des Hauses.

Das wäre auch nicht möglich. Denn das alps hat sich in den letzten Jahren grundlegend neu positioniert und vorbildlich auf die Zukunft ausgerichtet. Das alps ist zum Creative Hub der Museumsszene geworden. Der Bund, einst Mitbegründer des Hauses, war dabei der wichtigste finanzielle Treiber. Die breite private und öffentliche Trägerschaft, SAC, Kanton Bern und Stadt Bern, zogen mit. Begeisterung für eine innovative Kulturinstitution machte sich breit. Die an Direktor Beat Hächler und sein Team gerichteten Erwartungen wurden alsbald übertroffen. Die Medienresonanz ist weit überproportional zur Grösse des Hauses. Der Eigenfinanzierungsgrad übrigens auch. Die Projekte sind interdisziplinär vernetzt.

Klug und innovativ greift das heutige Alpine Museum der Schweiz kulturelle, politische, ökologische, gesellschaftliche Themen auf. Denn die Zukunft des Lebens in den Alpen ist für die Schweiz eine existenzielle Frage. Dass eine Kulturinstitution sich damit auseinandersetzt, ist ein Glücksfall für unser Land.

Betrachtet man Museen nicht bloss als Objektspeicher, sondern als Orte, an denen die Zukunft unserer Gesellschaft verhandelt wird, dann kann man nicht mit gutem Gewissen eine Institution wie das alps trockenlegen. Wenn aber der Mitbegründer und Hauptgeldgeber seinen Mittelfluss um 75 Prozent reduziert, nimmt er dies in Kauf.

Der aktuelle Entscheid, der das alps unerwartet und mit voller Härte trifft, macht die jahrzehntelange Investition von Bundesgeldern zunichte und verkennt den Wert der alpinen Kulturlandschaft für die Zukunft der Schweiz. Ich traue es den Verantwortlichen des BAK zu, dass sie nochmals über die Bücher gehen, wenn sie sich der Tragweite ihres Entscheids gewahr werden. Jedenfalls lohnt es sich, dafür zu kämpfen.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern


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