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Ausgabe 1/2017

Holzboden

«Das mit dem Holzboden für die Kultur, ist eine Mär», schrieb mir ein Mitarbeiter zum neuen Jahr. Da dieser Kollege seit 34 Jahren in der bernischen Denkmalpflege arbeitet, ist er für mich in dieser Frage ein ausgewiesener Experte. Er habe in vielen Jahren Feldarbeit in sämtlichen Regionen des Kantons die Erfahrung gemacht, dass im Grunde ein grosses Interesse an Kultur vorhanden sei, das oftmals nur darauf warte, geweckt zu werden.

Wer die schönen Berner Holzböden in einem Altstadthaus von Bern, Moutier oder Burgdorf kennt oder schon mal in einer Emmentaler Visitenstube oder Oberländer Sonntagsstube war, dem wird sofort klar, dass Bern schon immer ein Kulturkanton war.

Der Berner Boden zeichnet sich aus durch seine vornehme Einfachheit und seine handwerkliche Sorgfalt, mit der er gefertigt ist. Die Eichenriemen säumen die nahezu quadratischen Felder aus Tannenholz und bilden den Randfries. Das Eichenholz, das manchmal mit Kreuzbodenlack eingefärbt ist, gibt eine klare Struktur. Ein solcher Boden strahlt Wärme aus und vermittelt Geborgenheit. Man darf ihn auch ohne Filzpantoffeln betreten.

In der Kultur kann man zu Hause sein. Kultur lässt mich ein offenes Koordinatennetz erkennen, in dem ich mich positionieren und orientieren und von dem aus ich neue Ziele anstreben kann. Das vermittelt Sicherheit, auch nach einem Jahreswechsel mit vielen Ungewissheiten. Es muss uns bloss bewusst bleiben, dass es sich bei der Kultur nicht um etwas Naturgegebenes handelt, sondern um etwas Menschgemachtes, das sich im Wechselspiel von Pflege und Neuschöpfung erhält und entwickelt. Am gebauten Erbe, das von der Denkmalpflege betreut wird, lässt sich dies gut ablesen. Neben das Erhalten tritt das Erneuern und Nutzen. Berner Böden werden aufgefrischt, geflickt, mit Schmierseife gewaschen, gebohnert und von immer neuen Generationen begangen.

Es ist ein grosses Privileg, für einen Kanton zu arbeiten, in dem die Kultur keinen Holzboden hat, sondern der Holzboden Kulturgut ist.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur 


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