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Ausgabe 9/2014

Zurück aus Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren

So viele Fernsehkameras waren noch nie auf den Kulturplatz Bern gerichtet. Wohl erstmals drängte sich eine solche Zahl von Journalistinnen und Journalisten in einen Saal, um zu hören, wie denn eine Berner Kulturinstitution entschieden habe. Die Frage, ob das Kunstmuseum Bern die Erbschaft von Cornelius Gurlitt antreten werde, interessierte die Weltöffentlichkeit. Und diese wird auch in Zukunft genau mitverfolgen, wie der Entscheid zur Übernahme der Sammlung Gurlitt umgesetzt wird. Am Mediengespräch in Berlin und in den seither erschienenen Berichten und Kommentaren kam kein Begriff häufiger vor als jener der Verantwortung. Verantwortung gegenüber der Sammlung, gegenüber der Aufarbeitung ihrer Geschichte, gegenüber den rechtmässigen Besitzern von Werken aus Gurlitts Hinterlassenschaft.

Schneidet man dem Wort Verantwortung die Affixe weg, bleibt als Kern die Antwort. Die Erbschaft Gurlitt gibt viele Fragen auf. Die Suche nach Antworten wollen wir deshalb dem Kunstmuseum Bern und seiner geplanten Forschungsstelle nicht alleine aufbürden. Die Kultur- und Bildungsinstitutionen Berns sind hier mitgefordert. Sie können die Verantwortung mittragen und damit gleichzeitig auch an der historischen Chance, die uns diese Erbschaft eröffnet, partizipieren. Bei der Sammlung Gurlitt geht es neben Kunst vor allem auch um Kulturgeschichte. Es geht um den Kontext, aus dem heraus sie entstanden ist. Es geht um den Kontext der europäischen Geschichte und damit auch der schweizerischen. So könnte René Blochs und Jacques Picards vor kurzem herausgegebene, hervorragende Publikation zur jüdischen Geschichte Berns zum Ausgangspunkt kulturgeschichtlicher Ausstellungen werden. Das Konzert Theater Bern nähme sich gezielt Theaterautoren und Komponisten an, die unter der nationalsozialistischen Diktatur von Spielplänen und Konzertprogrammen verbannt wurden und deren Rezeption bis heute unter dieser brutalen Ausgrenzung leidet. Den fünf Programmkinos der Stadt Bern könnte die Filmgeschichte und das aktuelle Schaffen eine Fülle von Anknüpfungspunkten bieten, wie allen anderen Kultursparten auch. Und das Kornhausforum würde diesen Prozess der Teilhabe in Foren vertiefen.

In dieser singulären Situation lässt sich unter Berner Kulturträgern und Kulturschaffenden eine Zusammenarbeit entwickeln, die nicht bei der Koordination von Terminplänen und Marketingaktivitäten stehen bleibt, sondern sich mit gemeinsamen Inhalten auseinandersetzt, je aus unterschiedlicher Position Fragen stellt und nach Antworten sucht.

Das Kunstmuseum Bern braucht nun nicht nur private Mittel, um vor der Weltöffentlichkeit seine Verantwortung wahrnehmen zu können, sondern die Solidarität des Kulturplatzes Bern. Dem Berliner Jawort muss als Antwort nun ein vielstimmiges Ja in Bern folgen.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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