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Ausgabe 8/2014

Benebelt

Sehr geehrte Damen und Herren

Gelegentlich kann man «gopfergässe de Grind aschlo», wenn man im Kanton Bern für die Kultur unterwegs ist. Da schmerzt nicht nur der Schädel. Hilfesuchend schaut man in die Runde, ob neben den schadenfreudigen auch der eine oder andere Blick von Verbündeten zu sehen sei. So erlebt kürzlich im Simmental. Ich war für die Archäologie unterwegs und hatte am Abend ein Grusswort zu halten. Also in Anzug und Krawatte. Es blieb an diesem schönen Spätsommerabend noch eine halbe Stunde Zeit zwischen Zugsankunft und zugesagtem Zeitpunkt, so dass ich mich auf die Suche nach einem Gasthof machte. «Töffahrer willkommen», stand auf der Tafel beim Parkplatz und etwas verborgen am Hang, hinter abgestellten Anhängern, schien es eine Gartenbeiz zu geben. Immer auf der Suche nach dem Authentischen, wagte ich mich stracks vor.

Prompt lagen alle Blicke auf mir. Ein gutes Dutzend wetterfester Männer sass vor dem Feierabendbier an einem einzigen langen Tisch, an dessen unteres Ende ich trat. Ich versuchte, so beiläufig und so breitschultrig wie möglich zum anderen Ende des Tisches zu gelangen, wo es noch Platz gab. Und dann ist es passiert: An einem tief hängenden, zwischen zwei Allzweckschirmen angebrachten kantigen Kännel stiess ich kräftig den Kopf an. «Ein Rivella blau», brachte ich, mich zwischen Tisch und Bank zwängend, gerade noch hervor, während die Gespräche der Andern wieder langsam Fahrt aufnahmen.

Die auf der Herfahrt noch so schön geordnete und memorierte eindringliche Rede zu Sinn und Zweck der Archäologie war im Begriff, sich in ihre Bestandteile aufzulösen. Nach einer Gesprächsaufnahme mit den Tischnachbarn zwecks Eruierung von Kulturbedürfnissen im Simmental mit kleinem Exkurs zum immateriellen Kulturerbe der Töffahrer war mir nicht mehr zumute, geschweige denn nach einem verbalen Brückenschlag Kulturamt - Oberland. Zum Glück muss ich sagen: Einer Diskussion zur Umsetzung des Kulturfördergesetzes in der Region Thun/Oberland-West oder über die Vor- und Nachteile eines Gemeindeverbandes in drei Teilregionen wäre ich mit brummendem Schädel nicht gewachsen gewesen.

«Adie mitenand», hörte ich mich nach ein paar Minuten stummen Ausharrens und serbelndem Selbst sagen. «Passet uf de Gring uf», sagte der Mann vis-à-vis und wies mit seinem Kopf in Richtung Traufe. Sein Blick verriet, dass er es wohlwollend meinte. Diese kleine Geste wirkte Wunder. Beim Hinaufstapfen zur «Pfrundscheune» lichtete sich die Benebelung und ich verspürte schon fast so etwas wie Vorfreude auf das Verhandeln all der offenen Fragen. Es werden sich Verbündete finden.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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