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Ausgabe 7/2014

Bern vielstimmig

Sehr geehrte Damen und Herren

Haben Sie auch schon mal gehofft, während Sie in der Berner Bahnhofhalle auf jemanden warteten und die Augen schweifen liessen, einen Flashmob live mit zu erleben? Dass zum Beispiel plötzlich hunderte von Passanten Beethovens "Ode an die Freude" singen würden? Eine spontane musikalische Kundgebung, bevor alle Beteiligten wieder ihren eigenen Weg gehen? Für einmal würden einen die Rolltreppen nicht bloss auf die nächste Verkaufsebene tragen, sondern auf direktem Weg ins Elysium, auf die Insel der Seligen. "Bern singt" hat vor zwei Jahren mit Händels Messias eine solche Flashmob-Wirkung erzielt, von der man sich danach in der halben Schweiz erzählte: Als die ersten Takte des "Halleluja" erklangen, erhob sich das Berner Publikum nicht bloss von den Sitzen, wie es sich für die Engländer in der Royal Albert Hall ziemt, sondern stimmte gleich selber hundertfach in den Jubelgesang mit ein.

Chorgesang befreit und verbindet. Deshalb kann er gar nicht genug ausgeübt und gefördert werden. Um seine breite Verankerung und Wirkung zu erhalten, ist es sehr zu begrüssen, neben den bewährten Formen auch neue und unkonventionelle Wege zu gehen. "Bern singt" vereint über Social Media seine Mitwirkenden in der Vorbereitungszeit. Man übt seinen Part anhand von zugemailten Files und trifft sich dann zur kurzen gemeinsamen Probenzeit und zum Konzert*. Die Initianten des Generationenchors der Burgergemeinde Bern setzten sich zum Ziel, Menschen jeden Alters für ein grosses interdisziplinäres Projekt an wöchentlichen Proben zusammen zu bringen. Ergraute Häupter übten neben Kindern, die der Spielgruppe eben erst enthüpft schienen, Orffs "Carmina Burana" ein. Bei den Aufführungen im Innenhof des Berner Generationenhauses befreiten sie mit Gesangs- und Tanzlust das Werk von seinem ungemütlichen Pathos der Entstehungszeit und enthüllten damit seinen musikalischen Kern.

Nur wenn alle ihren Part beherrschen, kommt man zum Ziel. Und doch zählt am Schluss nicht die Einzelleistung, sondern das Kollektiv. In einem Kulturstaat ist dieses Wechselspiel zwischen Individuum und Gesellschaft eine dauernde Herausforderung und muss stets aufs Neue geübt werden, über alle Tonarten und Stilrichtungen hinweg. Und wenn dies gleichzeitig an so viel Freude gekoppelt ist, wie beim Generationenchor oder bei "Bern singt", dann wird für uns Zuhörer die Insel der Glückseligen für Momente greifbar.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur

* "Bern singt" bringt am 13. September 2014 im Kulturcasino Bern Haydns "Schöpfung" zur Aufführung.


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