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Ausgabe 6/2014

Wie im hölzigen Himmel

Sehr geehrte Damen und Herren

Wie im hölzigen Himmel geht es derzeit zu auf dem Ballenberg. Die Dramaturgie ist einfach, der Stoff nicht neu, das Drehbuch ausgefeilt, die Wirkung stark. Hier wird nicht gefackelt. Man kommt schnell zur Sache. Dem Dolchstoss folgt kein langer Abgesang, nur ein kurzer Epilog. Zum Schluss wird eine heile Welt arrangiert, die sich dem Betrachter aber schnell als Trugbild offenbart. Der Schauplatz ist zwischen Säge mit oberschlächtigem Wasserrad, Knochenstampfe und Schweinestall angesiedelt. Die Rede ist von "Via Mala" frei nach John Knittel, dem Landschaftstheater Ballenberg 2014.
Ebenfalls ohne Happy End muss das Publikum auf dem Hämeli auskommen. Hier steht das Opfer einer starken Frau am Ende eines unlösbar scheinenden Konflikts. "Elsi die seltsame Magd" konnte man in der wunderbar differenzierenden Bearbeitung fürs Landschaftstheater von Hansjörg Schneider sozusagen am Originalschauplatz erleben. Auf einer Egg ob Signau liess man an einem der raren Sommerabende den Blick weit übers Bernbiet schweifen und sinnierte über die Zeitlosigkeit der Gotthelf-Stoffe.
Alles was an Ränkespiel, Intrige und Scheinheiligkeit mitten in ländlicher Idylle aufbrechen kann, hat Peter Leu auf der Moosegg in die so friedlich sich zwischen Hain und Flur bettende Naturbühne gepflanzt und mit "Hansjoggeli der Erbvetter" einen der süffigen Gotthelf-Vorlagen fürs Theater adaptiert.
Bei den drei genannten Freilichtproduktionen wie auch auf dem Gurten, in Jegenstorf oder Langenthal arbeiten Profis und Laien mit grossem Erfolg zusammen. Die von ungeheurem Engagement auf und hinter der Bühne angetriebenen Beteiligten schaffen Theatererlebnisse, die beim Publikum starke Eindrücke hinterlassen. Die Spieltraditionen führen vor Augen, wie fruchtbar der Austausch zwischen professionellen Theaterschaffenden, ehrenamtlichen Vorständen, Liebhaberdarstellern und freiwilligen Helfern sein kann. Basis sind gemeinsame Ziele, klare Rollenverteilung und Verantwortlichkeiten sowie gegenseitiges Vertrauen und Respekt vor den je spezifischen Fähigkeiten. Wenn sich nun die Sommertheatersaison dem Ende zuneigt, könnte uns dieses konstruktive Zusammenwirken für den wieder einkehrenden Kulturalltag als Beispiel dienen.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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