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Ausgabe 5/2015

Rebhuhn, festspieltauglich 

Nie hätte ich mir träumen lassen, wie unglaublich schön ein Rebhuhn sein kann. Bezaubernder als ein Pfau, schillernder als ein Kolibri, hinreissend wie bestenfalls eine Nachtigall. Ich bin ihm begegnet. Und es will mir nicht mehr aus dem Sinn. Ausgerechnet ein Rebhuhn, das als eintönig grau bekannt und darauf aus ist, möglichst unbemerkt und unauffällig zu bleiben. Trotzdem hat es auch im Kanton Bern nicht gerade zahlreich überlebt. Aber jenes, das mich zu Begeisterung hinriss, war schliesslich auch ein Fëllënza, ein albanisches Rebhuhn. Und dies im Rittersaal des Schloss Thun. Dort habe ich es gesehen, resp. von ihm gehört.

«Fëllënza» ist das Eröffnungsstück im neuen Programm des Elina Duni Quartets. Was für eine Sängerin, was für Musiker! Wenn Colin Vallon am Piano ins Stück einsteigt, macht er dies so subtil und differenziert, dass man sich an die ersten Takte von Schuberts «Winterreise» erinnert fühlt: «Fremd bin ich eingezogen...». Und wenn dann Elina Dunis unglaublich facettenreiche Stimme anhebt, taucht man in die Welt eines albanischen Volksliedes ein, wird weitergetragen zum zeitgenössischen Jazz und schliesslich zu etwas unverkennbar Eigenständigem, von dem man gar nicht mehr lassen möchte.

Was ich schildere, ist einem informierten, jungen Publikum absolut nichts Unbekanntes. Bei den einschlägigen Konzertveranstaltern sind Duni, Vallon und Co. längst kein Geheimtipp mehr. Das besondere aber: Das Konzert fand im Rahmen der traditionsreichen Thuner Schlosskonzerte statt, und im Publikum sass eine mehrheitlich an Klassik geschulte und das Durchschnittsalter der Auftretenden wohl fast verdoppelnde Zuhörerschaft. Und wie das in goldenes Abendlicht getauchte Thunpanorama, das man beim Aufstieg genossen hatte, öffnete sich uns allen unverhofft ein Blick in eine paradiesische Musiklandschaft.

Der neue künstlerische Leiter der Schlosskonzerte Thun, Lorenz Hasler, tief im bernischen Musikleben verwurzelt und gleichzeitig weiten Horizonten zugewandt, hat mit seiner Programmierung die Chance eines Festivals maximal genutzt, indem er vertraute Wege beschritt aber auch ganz neue Fährten legte. Und besonders verdienstvoll: Er hat auch Berner Musikerinnen und Musiker der Spitzenklasse aufs Festival-Podium eingeladen.

Mit vergleichbarer Verve ist Kaspar Zehnder in das neue Festival klangantrisch gestartet. Zusammen mit dem wagemutigen Gemeinderat von Riggisberg und vielen Dorfbewohnern hat er ein musikalisches Feuerwerk gezündet, das über die Region hinaus leuchtete. Hasler und Zehnder wenden sich damit auch einem erweiterten Publikumskreis zu. Das ist nicht ohne Risiko und braucht unter Umständen längeren Schnauf. Doch genau das verdient Unterstützung der öffentlichen Hand.

Türen aufstossen, Entdeckungen ermöglichen und neuen Publikumsschichten den Zugang ebnen. Das wünsche ich mir bei den zahlreichen Klassik-Festivals im Kanton Bern. Wenn dabei hervorragende Berner Musikerinnen und Musiker – wie das Elina Duni Quartet – ebenfalls auf dem Programm stehen, dann wird unser Musikleben über den Festivalkalender hinaus nachhaltig entwickelt und gestärkt.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


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