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Ausgabe 5/2014

Kultur bekennt Farbe

Sehr geehrte Damen und Herren

Welche Farbe hat die Kulturregion Bern-Mittelland? Bei der Region Emmental ist es klar: RAL 6010. Bei Oberland-Ost ebenso: RAL 5010. Grasgrün und Enzianblau. Beim Seeland schwankt man im Rotspektrum saisonal zwischen RAL 3018 und RAL 3013, zwischen Erdbeerrot und Tomatenrot. Bei den genannten Regionen ergibt sich das ganz von selbst. Nicht so bei der Region Bern-Mittelland. Hier braucht es einen Entscheid der Regierung. Rot oder Blau? lautete die Stichfrage. Die Regierung hat sich für Blau entschieden. Welches Blau sie gemeint hat, ist auf Verwaltungsebene zu klären, mittels beschwerdefähiger Verfügung. Ich entscheide mich für RAL 5007: Brillantblau. Die Einsprachefrist ist hiermit eröffnet.

Bei diesem kulturpolitisch wichtigen Regierungsentscheid ging es natürlich nicht um regionales Farbdesign, sondern um einen Meilenstein bei der Umsetzung des neuen Kulturfördergesetzes. Die Frage war zu entscheiden, welche Kulturinstitutionen zukünftig von Kanton, Standortgemeinde und Regionsgemeinden gemeinsam finanziert werden sollen. Dem Entscheid für die richtige Liste gingen mehrere Verhandlungsrunden und eine breite Vernehmlassung unter den 85 Gemeinden der Region voraus. Seit dem 27. Mai besteht Klarheit, wer ab 2016 für welche Kulturinstitution zuständig ist. Das gibt Sicherheit in Bezug auf die Finanzierung. Einige Kulturinstitutionen haben damit neu den Status "von regionaler Bedeutung" zugesprochen erhalten. Damit eröffnen sich Chancen in Bezug auf die Publikumsbindung. Wenn auf Anhieb Gemeinden einer ganzen Region Beiträge leisten, muss es gelingen, dass sich die Bevölkerung dieser Gemeinden – das sind gegen 390'000 Einwohner – zunehmend für diese Institutionen interessiert und sich mit diesen identifiziert. Wenn Frau Pauli aus Wahlern künftig eine Lesung im Schloss Köniz besucht, kann sie sich ruhig ein wenig zu Hause fühlen. Es ist schliesslich auch ihr Kulturhof. Und wenn Herr Eggimann aus Fraubrunnen eine CD der Camerata Bern verschenkt, darf er sich durchaus die Bemerkung erlauben, es sei auch sein Orchester.

Die 13 Institutionen auf der blauen Liste gelangen nun automatisch auf die politische Agenda einer ganzen Region. Dies fordert von Kommunikation und Marketing neue Strategien und eröffnet der Vermittlung zahlreiche Möglichkeiten, auf ein neues Publikum zuzugehen.

Umgekehrt bedeutet es für die kantonale Kulturförderung, sich von acht Kulturinstitutionen zu verabschieden, die wir in den letzten Jahren mitgetragen haben, und diese der Obhut der Stadt zu überlassen. Wenn hier zukünftig die Controllinggespräche und Vertragsverhandlungen wegfallen, heisst das für mich nicht, Abschied zu nehmen, sondern mich umso intensiver deren künstlerischen Produktion zuzuwenden.

Der Kanton war bei seinem Entscheid somit keineswegs farbenblind, und man darf hier wieder einmal Dürrenmatt zitieren: Er hat ins Blaue geschossen und ins Schwarze getroffen.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur

PS. Eine Reaktion auf das letzte Editorial zeigt, dass Jura und Oberland gar nicht so weit auseinander liegen: Ars ist nicht bloss eine lateinische Vokabel oder ein spannendes Theaterkonzept für den Berner Jura. Ars heisst auch ein Berg zwischen Lauterbrunnen- und Kiental, bestens erschlossen durch die Luftseilbahn Isenfluh-Sulwald. Gemäss eigener Deklaration auf der Homepage bietet diese Platz für 8 Personen oder ein Rindvieh.


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