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Ausgabe 3/2014

Nach den Sternen sehen

Sehr geehrte Damen und Herren

Zum ersten Mal bin ich ihnen in Blumenstein begegnet. Oben am Waldrand in der mittelalterlichen Kirche. Anfänglich habe ich eher beiläufig von ihnen Kenntnis genommen. Dann entdeckte ich sie erneut und zahlreich etwa in Därstetten oder Boltigen, in Lauenen oder im Könizer Weiler Herzwil. Als Wandmalereien, auf Glasfenstern oder als Schnitzwerk sind sie mir in die Augen gesprungen: Sterne jeder Grösse und in unterschiedlichster Ausführung. "Was haben die Berner mit den Sternen?" fragte ich mich, angetan von diesen hingestreuten, manchmal naiv anmutenden, manchmal kunstvoll ausgeschmückten Himmelskörpern. Andere Kantone führen sie im Wappen, dort wo hier der Bär auf festem Grund und Boden tappt. Zum Ausgleich machten die Berner Kunst und malten sie in augenfälliger Häufigkeit auf Wände, schmückten damit Ründihimmel oder schnitzten sie in Fassaden.

Ein blosses Zierelement? Ein Sehnsuchtsobjekt? Ein Bedeutungsträger? Was wollen diese Sterne den Betrachterinnen und Betrachtern sagen? Ich verstehe sie als Aufforderung: "Sieh nach den Sternen!" Das Unerreichbare kann Orientierung bieten. Dass dies kein Widerspruch ist, wusste schon der Wanderer zwischen Schnidejoch und Col de Pierre Pertuis, der vor der Erfindung des Kompasses nachts unterwegs war.

Wer Strategieziele definiert, macht genau das, richtet den Blick in die Weite, setzt Fixpunkte, die beim Vorangehen Orientierung bieten. Im Amt für Kultur haben wir dies in den letzten Monaten auf zwei Ebenen getan. Zum einen erarbeiten wir eine Kulturpflegestrategie für die Bereiche Archäoloige und Denkmalpflege und zum andern luden wir zum "Kulturdialog" an sieben Veranstaltungen in allen Regionen des Kantons ein. Hier haben wir die seit 2009 gültige Kulturstrategie, die sich schwerpunktmässig mit der Kulturförderung auseinandersetzt, zur Diskussion gestellt und uns damit an den Start zu einem neuen Strategieprozess begeben. In der Stadt Bern wird gegenwärtig gleich auf zwei Ebenen - von offizieller Seite und auf Privatinitiative - die Förderpolitik diskutiert. Und in Biel trafen sich unter dem Motto „Parlons culture!“ auf Einladung der Stadtbehörde über 150 Kulturschaffende und Kulturinteressierte zur Standortbestimmung mit Weitblick.

Strategische Leitlinien sind gerade in finanzpolitisch rauerem Klima hilfreich, um Sinn und Zweck der Kulturförderung oder der Kulturpflege zu erklären und zu verankern. Sie sind aber auch als Orientierung für Pragmatiker ganz nützlich. Sowohl bei den politischen Behörden wie bei den Betroffenen gut abgestützte Strategieziele erlauben es, nach den Sternen zu sehen, ohne im Unterholz des operativen Alltags zu straucheln. Sonst würden wir bloss Sternchen sehen, wenn wir auf die Nase fallen. Und das sind nicht die, die ich meine.

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur des Kantons Bern


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