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Ausgabe 2/2016

Zum Stricken anstiften

Erinnern Sie sich an den Stricktrick? Wenn man am Kopf einer lustig bemalten, kleinen Holzfigur die Fäden richtig ineinander verhäkelte, kam unten eine wollene Wurst heraus. Auch stricktechnisch Minderbegabte wie ich konnten damit ein textiles Artefakt hervorbringen, das sich im günstigsten Fall die Banknachbarin ums Handgelenk binden liess. Als ich die 52 Dossiers durcharbeitete, mit denen sich Kulturengagierte aus dem Kanton Bern um einen Impulsbeitrag bewarben, fragte ich mich, ob man die Kompetenz im Umgang mit diesem basalen Strickinstrument allenfalls wieder vermehrt erwerben sollte. Vielleicht müsste die HKB in den Abschlusssemestern das patente Ding unter die Studierenden bringen. Auch bei einem CAS-Kulturmanagement dürften bei Beherrschen des Stricktricks eigentlich noch ein paar zusätzliche ECTS Credit Points rausspringen.

Zuerst kann festgehalten werden, dass die Ausschreibung des Impulsbeitrags an dieser Stelle im Newsletter vom September 2015 ein erfreuliches Echo ausgelöst hat. Kulturveranstalter, Künstlerinnen und Künstler, Vereine und Museen in grosser Zahl haben ihre Bewerbungen eingereicht. Ziel dieser Unterstützung ist es, den vielfach auch mit ehrenamtlichen Einsätzen operierenden Akteuren eine Verschnaufpause zu ermöglichen, um die Zukunftsplanung anzugehen. Ein Grossteil der Eingaben nahm diesen Faden geschickt auf. Die 11-köpfige Jury hat sich intensiv mit den Vorhaben auseinandergesetzt und Anfang März leidenschaftlich darüber debattiert. Sieben Eingaben wurden schliesslich mit 321'000 Franken ausgezeichnet. Um dies möglich zu machen, haben die Abteilung Kulturförderung und der Conseil du Jura bernois zusammengespannt.  

Was mir gefehlt hat, ist der vermehrte Wille zu Kooperation innerhalb der jeweiligen Kultursparte oder auch darüber hinaus. In einer Zeit, da alle von Vernetzung sprechen, wo sich Startups in Bürogemeinschaften einklinken, sich NGOs durch Verlinkung frei spielen, agieren viele Kulturexponentinnen und -exponenten nach wie vor für sich allein. Kleine Klassikreihen ringen um ihren Weiterbestand, Museen wollen auch digital interagieren, Kleinkunstbühnen planen den Generationenwechsel im Freiwilligennetz. Und nur eine kleine Minderheit richtet dabei den Blick über den eigenen Gartenhag hinaus, pirscht sich an vermeintliche Konkurrenten heran, um aus ihnen Partner zu machen. Die Schlossmuseen Oberhofen, Spiez und Thun haben diese Chance gepackt und wollen bezüglich Geschichtsvermittlung gemeinsame Wege gehen. Ihre Bewerbung gehört zu den sieben Ausgezeichneten und wurde mit 75'000 Franken, dem höchsten vergebenen Betrag, prämiert.  

Sollte in zwei Jahren ein weiterer Impulskredit ausgeschrieben werden können, dürften Kulturinstitutionen, Veranstalter oder einzelne Künstlerinnen und Künstler noch expliziter dazu aufgefordert sein, enger zu kooperieren und damit ihre Ausstrahlung und Wirkung zu verstärken, ohne dabei an eigenem Profil zu verlieren. Wie die Primarschülerinnen und -schüler heute mit Loom Bandz einen festen aber elastischen Strang stricken und die Banknachbarn damit um den Finger wickeln.  

Hans Ulrich Glarner
Vorsteher Amt für Kultur


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http://www.erz.be.ch/erz/de/index/direktion/organisation/amt_fuer_kultur/archive/ausgabe_2_2016.html