Suchbereich

Stichwörter von A bis Z

Navigation




Ausgabe 2/2014

Ausschwärmen

Sehr geehrte Damen und Herren

Nicht nur an den sonnigen Rebhängen des Bielersees lässt sich die wärmere Jahreszeit bereits erahnen. Aber eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Frühling. Bis die Vogelschwärme über die Alpen zurückkehren, müssen wir uns noch etwas gedulden. Seit genau zwei Jahren gibt es in der Schweiz jedoch die Möglichkeit, für die Kulturfinanzierung ganzjährig und in alle Himmelsrichtung auszuschwärmen: Crowdfunding, Schwarmfinanzierung, heisst das Zauberwort, das uns alle mit wenigen Streicheleinheiten auf dem Smartphone und ein paar Klicks zu Mäzeninnen und Mäzenen macht. Neu gibt es auf der Crowdfunding-Plattform www.wemakeit.ch einen Berner Channel, der direkt zu hiesigen Kulturaktionen leitet, denen bloss noch ein paar Franken zum Abheben fehlen.
Dass dies wortwörtlich für "Hildegard Lernt Fliegen" zutrifft, liegt auf der Hand. Die Band aus Burgdorf um den Vokalkünstler und Komponisten Andreas Schaerer, die mit ihrer wilden Mixtur aus Jazz und Verwandtem international tourt, will zu ihrem neuen Song "Don Clemenza" einen Videoclip mit der Filmemacherin Maria Sigrist drehen. Dazu fehlen noch rund 4'000 Franken. Noch verbleiben 13 Tage, um mit Spenden ab 30 Franken das Projekt zu ermöglichen. Oder jene Jugendlichen, die im Volkshaus Biel ihr Tanzprojekt "Home is" zum Fliegen bringen möchten: Die Funk-Band der Musikschule Biel, 13 Tänzerinnen, zwei Rapper und ein DJ kreieren ein multikulturelles Tanztheater. Hier ist man bereits ab 10 Franken dabei. Noch fehlen rund Fr. 3‘400.-, damit diesem Jugendkulturprojekt Flügel wachsen.

Soll sich die öffentliche Hand für eine Crowdfunding-Plattform engagieren? Ich trete dezidiert für ein Ja ein. Nachdem Pro Helvetia, Migros-Kulturprozent und die Ernst Göhner Stiftung wemakeit.ch im Februar 2012 aus der Taufe gehoben haben, hat die Konferenz der kantonalen Kulturbeauftragten die Empfehlung abgegeben, dass sich die Kantone in der Anfangsphase an diesem gemeinnützigen Projekt beteiligen mögen. We made it: Der Kanton Bern ist 2014 mit Fr. 17'000.- dabei.

Crowdfunding ermöglicht Partizipation. Eine breit abgestützte Finanzierung, bei der viele kleinere und grössere private Beiträge eine wichtige Rolle spielen, verankern eine kulturelle Aktion bereits in der Entstehungsphase bei einem breiteren Kreis von Unterstützenden. Wofür ich mich finanziell engagiert habe, dafür werde ich mich auch interessieren, wenn es im Konzertlokal zu hören ist oder auf die Bühne kommt. Sind wir persönlich beteiligt, werden wir zu Botschaftern des unterstützten Projekts. Die Produzierenden ihrerseits sind zu einem frühen Zeitpunkt gefordert, ihre Botschaft auf den Punkt zu bringen, attraktiv zu kommunizieren und Interessentinnen und Interessenten zu gewinnen. Social-Media bietet dafür ein ideales Umfeld und spricht ein Publikum an, das über Mitgliedschaften oder Freundeskreise vielleicht weniger einfach abgeholt werden kann. Die Kulturfinanzierung der öffentlichen Hand ihrerseits ist auf viele weitere Unterstützende angewiesen, damit sie Beiträge sprechen kann. Ihre Aufgabe ist stets eine subsidiäre.

Dass dank dem kantonalen Engagement nun ein zusätzlicher Link alle Berner Projekte auf dem Tablett (resp. dem Tablet) serviert, wird uns erneut die Kreativität und Vielfalt des bernischen Kulturschaffens vor Augen führen und schon jetzt eine Ahnung davon geben, was uns der Kulturfrühling 2014 alles zu bieten haben wird. Und was mir besonders gefällt: Die Schwarmforschung hat ergeben, dass nicht nur jene an der Spitze die Flugbahn vorgeben, sondern jedes Individuum mit seinem Flugverhalten die Richtung des Schwarms beeinflussen kann. Steuern Sie mit!

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur


Weitere Informationen

Abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Entdecken Sie kulturelle und kreative Projekte aus dem Kanton Bern. Unterstützen Sie ihre Realisierung.

 


Mein Warenkorb ([BASKETITEMCOUNT])

Informationen über diesen Webauftritt

http://www.erz.be.ch/erz/de/index/direktion/organisation/amt_fuer_kultur/archive/ausgabe_2_2014.html