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Ausgabe 7/2016

Berücksichtigt

Wenn ich gelegentlich rückwärts über die Grosse Schanze gehe – bevorzugt in Randzeiten – lasse ich mich von erstaunten Blicken nicht aus dem Tritt bringen. Ich setze Fuss hinter Fuss, das Ziel im Rücken und vor Augen, woher ich komme. Der Bewegungsapparat hat das schnell begriffen. Aber die Sinne sind auf Hochtouren, um die Richtung zu halten, um auf Schritte, Stimmen, Unebenheiten richtig zu reagieren. Ich schaue zurück. Doch meine ganze, gesteigerte Aufmerksamkeit gehört dem, was vor mir liegt. Üblicherweise ist es umgekehrt: Ich vertraue bei der Fortbewegung darauf, was ich am Boden vor mir sehe. In Gedanken aber bin ich ganz wo anders. Auf die Idee dieser ungewohnten Gangart hat mich die Jubiläumsveranstaltung 150 Jahre Visarte gebracht, die kürzlich auf dem Bundesplatz rückwärts ablief. Die Festgemeinde bewegte sich rückwärts vom Bundesplatz zur Kunsthalle. Und einzelne Redner liessen sich auf die bizarre Vorgabe ein, rückwärts zu sprechen.

Wenn ich beim Jahresrückblick diese Erfahrung berücksichtige, dann zieht es mich nicht zurück, obwohl die schönen Momente und wertvollen Begegnungen das Berner Kulturjahr 2016 klar dominierten. Zum Beispiel jener kulturpolitische Meilenstein, als nach mehrjährigen Verhandlungen alle Beteiligten in sämtlichen Regionen ihre Unterschriften unter die insgesamt 63 Kulturverträge gesetzt hatten. Dahinter steht die finanzielle Trägerschaft von Standortgemeinde, Region und Kanton für 63 Kulturinstitutionen. Das ist schweizweit einzigartig und verankert die Tätigkeit der Institutionen in einer breiten Trägerschaft. Die Verhandlungen brachten das Amt für Kultur mit dutzenden von Partnerinnen und Partnern in allen Kantonsteilen ins Gespräch. Wir haben gerungen und an einem gemeinsamen Fundament gearbeitet, auf das sich nun aufbauen lässt.

Kein Meilenstein, sondern tägliche Wegzehrung war für mich 2016 die Zusammenarbeit im Amt für Kultur. Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit grossem Engagement, Fachwissen und Kollegialität die uns anvertrauten Aufgaben in Archäologie, Denkmalpflege und Kulturförderung voran bringen. Ihnen gebührt an dieser Stelle mein besonderer Dank.

Ich sehne mich nicht zurück. Doch ich versuche, das hinter mir Liegende zu verstehen, einzuordnen, auszuwerten, um für das, was vor uns liegt, bestmöglich gewappnet zu sein. So strebe ich mit geschärften Sinnen dem Jahreswechsel zu. Dankbar allen und für alles, was mich wach, sensibel, zuversichtlich und entschlossen macht. Die Sehnsucht nach der vermeintlich besseren Vergangenheit hat zwar mancherorts Hochkonjunktur. Der aufgeklärte Mensch aber geht in die Zukunft. 

Hans Ulrich Glarner, Vorsteher Amt für Kultur 


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