Berufs- und höhere Fachprüfungen
Berufs- und höhere Fachprüfungen stehen für praxisnahe Abschlüsse, die von der Wirtschaft geschätzt werden. Zusammen mit den höheren Fachschulen stellen sie ein wichtiges Element der höheren Berufsbildung auf der nichthochschulischen Tertiärstufe dar. Rund die Hälfte aller Tertiärabschlüsse fallen in der Schweiz auf Berufs- und höhere Fachprüfungen.
Ausrichtung
Die eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen (im gewerblich-industriellen Bereich auch bekannt als Meisterprüfungen) richten sich an Personen mit Berufserfahrung, die ihre Kenntnisse vertiefen wollen. Wer die entsprechende Prüfung besteht, erhält einen eidgenössisch anerkannten Titel (Berufsprüfung: Fachausweis; höhere Fachprüfung: Diplom). Der neu erworbene Titel verbindet solide praktische Fähigkeiten mit fundierten theoretischen Kenntnissen und geniesst in der Wirtschaftswelt einen ausgezeichneten Ruf.Werden in einem Bereich sowohl eine eidgenössische Berufsprüfung als auch eine höhere Fachprüfung angeboten, so stellt die Fachprüfung in der Regel höhere Anforderungen.
Organisation und Prüfungsvorbereitung
Im Gegensatz zu den höheren Fachschulen, wo der Bildungsgang als solcher anerkannt wird, werden bei den eidgenössischen Berufs- und höheren Fachprüfungen nur die Prüfungsordnungen vom Bund anerkannt. Das bedeutet, dass die Prüfungsvorbereitungen nicht reglementiert sind. Normalerweise besuchen die Kandidatinnen und Kandidaten einen freiwilligen Vorbereitungskurs. Solche Kurse werden von Bildungsinstitutionen oder Organisationen der Arbeitswelt angeboten und sind oft berufsbegleitend. Der Unterricht findet entweder tageweise oder an Abenden bzw. übers Wochenende statt. Für den Inhalt und die Durchführung der Prüfungen sind schliesslich die Organisationen der Arbeitswelt zuständig. Das BBT ist für die Aufsicht verantwortlich.
Fachausweise und Diplome
Die eidgenössische Berufsprüfung wird mit einem Fachausweis abgeschlossen, der Fachausweis ist in der Regel eine Zulassungsbedingung für die höhere Fachprüfung. Wer die höhere Fachprüfung besteht, erhält ein Diplom. Die höhere Fachprüfung qualifiziert die Berufsleute als Expertinnen und Experten in ihrem Berufsfeld. Ausserdem bereitet sie die Absolventinnen und Absolventen auf das Leiten eines Unternehmens vor. Jedes Jahr werden rund 12'000 Fachausweise und4'000 Diplome verliehen. Trotz des reichhaltigen Angebots von rund 210 Berufs- und 160 höheren Fachprüfungen entfällt der grösste Teil der Abschlüsse auf eine begrenzte Anzahl Berufe:
- Die meisten eidgenössischen Berufsprüfungen werden in den Berufen Marketingplaner/in, Personalfachfrau/-mann, Buchhalter/in und Informatiker/in durchgeführt.
- Bei den eidgenössischen höheren Fachprüfungen finden sich die meisten Abschlüsse in den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Verkaufsleitung, Finanzanalyse, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe.
Durch die Einführung des neuen Berufsbildungsgesetzes kommen unter anderem die bisher kantonal geregelten Bereiche Gesundheit, Soziales und Kunst neu hinzu. In diesen Bereichen gibt es eine grosse Anzahl von Abschlüssen mit Berufs- und höheren Fachprüfungen.
Rechtliche Aspekte
Bei Streitigkeiten über den Ausgang einer Prüfung ist das BBT die erste Rekursinstanz. Zweite – und letzte – Instanz ist das Bundesverwaltungsgericht.
Titel für Berufs- und höhere Fachprüfungen
Bei den Berufsprüfungen wird in der Regel der entsprechende Beruf aufgeführt mit der Zusatzbezeichnung „eidg. Fachausweis“. (Beispiel: Floristin mit eidg. Fachausweis)
Bei den höheren Fachprüfungen sind zwei Titelvarianten gebräuchlich: Berufsbezeichnung + eidg. diplomiert (Beispiel: eidg. diplomierter Marketingleiter) oder Berufsbezeichnung mit Zusatz –meister. (Beispiel: Schreinermeister)
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